Musik für das durchkomponierte Heim

2. September 2008, 11:12
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Musik aus vielen Quellen und von vielen Medien, die individuell in jeden beliebigen Raum im Heim verteilt wird: Die Stereoanlage von einst wird heute durch "Multiroom"-Audiosysteme ersetzt

Die Stereoanlage, bis vor wenigen Jahren das musikalische Herzstück im Wohnzimmer, ist in Bedrängnis. iPod und Audiozubehör, Mediacenter-Computer, Fernseher mit Audiofunktionen, Internetradios: Sie alle versuchen, den Platz bewährter Hi-Fi-Komponenten einzunehmen.

Ideal

Ideal dafür scheint, seit der Digitalisierung von Ton und Bild, ein Mediacenter-PC; aber den Sprung ins Wohnzimmer hat der Computer nur in Ausnahmen geschafft. Jetzt nähert sich die Unterhaltungselektronik der Lösung derselben Aufgabe: alle Medien und Quellen, von CD, DVD und MP3 bis zu Radio, Internetradio und Downloaddiensten, in einem System zusammenzufassen. Von dort kann dann Musik an alle Räume des Heims verteilt werden - und zwar je nach Laune im "Partymodus" dieselbe Musik quasi als Klangwolke im ganzen Heim oder ganz nach individuellem Geschmack: etwa Oper im Wohnzimmer, Rock im Keller, Nachrichten in der Küche, kein Problem.

"Multiroom-Systeme" werden diese modernen Hi-Fi-Systeme genannt, die bei der diesjährigen IFA in vielen Varianten zu sehen waren. Auch wenn diese Systeme gegenüber frühen Versionen deutliche Fortschritte in technischer Ausstattung und Bedienbarkeit machen, so einfach handzuhaben wie die Stereoanlage von einst sind sie nicht - und werden sie wohl, aufgrund der höheren Komplexität, auch nie werden.

Eines der ungelösten Probleme: kopiergeschützte Musik, die in den vergangenen Jahren über iTunes (dem Apple-Angebot) oder Windows Media Player (dem Microsoft-Musikstore) gekauft wurde. Denn obwohl viele Geräte über integrierte Festplatten verfügen oder auf eine angeschlossene Festplatte mit dem Musikarchiv zugreifen können: Abgespielt werden kann nur kopierschutzfreie Musik der gängigen Formate von MP3 und WMA bis AAC.

iTunes

Oft gibt es einen Umweg, um auch geschützte Musik aus der iTunes-Bibliothek abzuspielen: Ein Dock für den iPod, der damit als Quelle in die Anlage integriert wird, wie bei der Sony Giga-Juke-Anlage oder dem von Loewe für 2009 angekündigten Multimedia-Center (wir berichteten).

Übertragen wird die Musik im Haushalt mit Funk (dieselbe Wi-Fi-Technik, um Internet zu verteilen oder mehrere PCs oder Macs miteinander zu verbinden). Manche Anlagen integrieren einen Wi-Fi-Sender, andere greifen auf ein vorhandenes drahtloses Netz oder einen externen Router zurück; für die Wiedergabe sorgt jeweils ein Empfänger mit integrierten Lautsprechern oder mit daran anzuschließenden Boxen.

Die Steuerung erfolgt schließlich über eine Funk-Fernbedienung. Besonders gelungen und ausgereift dank mehrerer Jahre Erfahrung erscheint dabei das System des US-Herstellers Sonos, der sich auf solche Multiroom-Systeme konzentriert hat. Die Fernsteuerung erinnert an einen iPod und ermöglicht eine iPod-ähnlich einfache Steuerung des komplexen Multiroom-Systems dahinter. Eine Sonos-Grundausstattung mit Zentrale, Empfänger für einen Raum, und Controller zur Steuerung kostet ohne Lautsprecher 1000 Euro. Sonos ermöglicht es auch, den Napster-Musikdienst (Zugang zu Online-Musikbibliotheken gegen monatliche Gebühr) und kopierschutzfreie Download-Dienste zu nutzen.

Heimstereoanlagen am ähnlichsten erscheinen Philips Streamium-Reihe (1000 Euro für das Music Center und eine Station) sowie Sonys Giga-Juke-Anlage (rund 1500 Euro für die Basisanlage NAS-S55HDE). Während Sonos davon ausgeht, dass die Musik auf einem PC, Mac oder Festplatte gespeichert ist, bleibt bei Philips und Sony die CD/DVD ein zentrales Element; beide Geräte können neue CDs auf ihre Festplatte rippen, sodass man hier alternativ zum Computer seine Musikbibliothek aufbauen kann oder die PC-Sammlung auf der Musikanlage spiegelt. Während Philips sich wie ein Computer die CD-Titelinformationen aus einer Onlinedatenbank holt, hat Sony unverständlicherweise diese Online-Unterstützung nicht vorgesehen - womit die Sammlung rasch sehr unübersichtlich wird. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 2. September 2009)

 

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