Neuer Chef für Alcatel-Lucent

2. September 2008, 10:33
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Der ehemalige EADS-Chef Philippe Camus soll den weltgrößten Telekom-Festznetzausrüster Alcatel-Lucent mit aus der Krise führen

Paris  - Der ehemalige EADS-Chef Philippe Camus soll den weltgrößten Telekom-Festznetzausrüster Alcatel-Lucent mit aus der Krise führen. Der 60-Jährige wurde am Dienstag zum Verwaltungsratschef des französisch-amerikanischen Konzerns ernannt. Camus soll Alcatel zusammen mit dem früheren British-Telecom-Chef Ben Verwaayen lenken, der den Vorstandsvorsitz übernimmt. Camus' und Verwaayens Vorgänger hatten nach einer Serie von Gewinnwarnungen ihren Hut genommen. Seit Alcatel den US-Rivalen Lucent Ende 2006 übernommen hat, ist der Börsenwert des fusionierten Unternehmens um 60 Prozent eingebrochen.

Mit Camus setzt Alcatel-Lucent auf einen der Granden der französischen Wirtschaft, der vor allem wegen seines Engagements bei EADS, aber auch beim französischen Medienkonglomerat Lagardere bekannt ist. Auf den inzwischen in den USA lebenden Franzosen ging zu großen Teilen die Schaffung des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS zurück, für den er von 2002 bis 2005 arbeitete. Seine Position als Managing Partner beim Medienhaus und EADS-Anteilseigner Lagardere werde Camus behalten, teilte Alcatel-Lucent mit. Camus arbeitete zuletzt auch als Partner der New Yorker Investmentberatung Evercore Partners.

Strategie noch offen

Der 56-jährige Niederländer Verwaayen erklärte, er erkenne die Herausforderungen, vor denen Alcatel-Lucent stehe. Mit welcher Strategie er ihnen begegnen wolle, ließ Verwaayen in einer kurzen Telefonkonferenz jedoch kaum durchblicken. Er sagte aber, Arbeitsplatzabbau sei niemals ein Selbstzweck, und er wolle für die Aktionäre, Kunden und Angestellten dauerhafte Werte schaffen. Vor seiner Zeit bei British Telecom hatte er bereits vier Jahre bei Lucent Technologies gearbeitet. Auf seinem neuen Posten bekommt er Alcatel-Lucent zufolge ein Grundgehalt von 1,2 Mio. Euro und einen nach Leistung gezahlten Bonus von 1,8 Mio. Euro.

Seine Vorgängerin Patricia Russo kann mit einer Abfindung von bis zu sechs Mio. Euro rechnen. Sie wurde ebenso wie der bisherige Verwaltungsratschef Serge Tchuruk von unzufriedenen Investoren aus dem Amt gedrängt. Alcatel-Lucent verlor im erbitterten Kampf mit Erzrivalen wie Ericsson Marktanteile. Bereits seit der Nachricht vom Abgang Russos und Tchuruks hatte sich die Alcatel-Lucent-Aktie wegen der Hoffnung auf ein neues Führungsteam erholt, so dass Händlern zufolge von der eigentlichen Nachricht nur noch wenig Impulse kamen. Am Dienstag gaben die Papiere 1,4 Prozent nach.

Alcatel-Lucent leidet Beobachtern zufolge nicht nur unter den harten Marktbedingungen, sondern auch unter den Folgen der komplexen transatlantischen Fusion und einem Kampf der Unternehmenskulturen. Ex-Chefin Russo hatte den Anlegern versprochen, Französisch zu lernen, aber nie die Zeit zur Perfektionierung der Sprache gefunden. Verwaayen sagte nun auf die Frage nach seinem Französisch, es reiche, um beim Urlaub in seinem Ferienhaus in der Provence Brot kaufen zu können. (APA/Reuters)

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