"Denn ich weiß, was ich trage"

2. September 2008, 10:07
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Mehr als nur Hilfe zur Selbsthilfe: Gerecht produzierte Kleider im Trend

Wien - Bis das Hemd am Kleiderhaken des Kaufhauses hängt, legt es einen langen Weg zurück - beginnend bei den Baumwollernten ist dieser voller Ungerechtigkeiten.

Generell arbeiten die Menschen in Entwicklungsländern unter unmenschlichen Bedingungen: Zwölf-Stunden-Tage und niedrigste Löhne sind keine Seltenheit.

Michaela Königshofer, Koordinatorin der Kampagne "Clean Clothes", sieht vor allem die Kaufkraft des Konsumenten als Druckmittel gegen die Konzerne, die ungerecht produzieren. Dabei erkennt sie auch eine große Bereitschaft in der Bevölkerung, mehr für sozial und ökologisch produzierte Ware zu bezahlen.

Laut einer von "Clean Clothes" beauftragten Befragung sind 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung bereit, bis zu 15,7 Prozent mehr auszugeben, wenn dafür gewisse Standards bei der Produktion garantiert werden.

Ökologisch und sozial

Karin Lebelhuber, Leiterin des Weltladens am Hohen Markt, spürt das wachsende Interesse an "ethischen" Produkten: "In den letzten zwei Jahren war die gesamte Kollektion gerecht produzierter Textilien lange vor Jahresende ausverkauft." Diesen Aufwind führt sie auf Folgendes zurück: "Die vollkommen transparente Produktionskette sowie die garantierten ökologischen und sozialen Standards an jedem Produktionsstandort."

Von gerecht hergestellter Kleidung profitieren laut Lebelhuber jedoch nicht nur die beteiligten Arbeiter, sondern auch das Lebensgefühl des Konsumenten - "denn ich weiß, was ich trage".

Die österreichische Gewerkschaftsbewegung unterstützt das Projekt "Clean Clothes" mit zusätzlichen Ansätzen. "Den Kollegen in den Entwicklungsländern" soll "Hilfe zur Selbsthilfe" geleistet werden, indem ihnen europäisches Know-how über gewerkschaftliche Organisierung vermittelt wird, sagt Gerald Kreuzer von der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung. "Die Verbesserung sozialer Standards in der Dritten Welt mindert auch den Druck auf Österreich, Sozialrechte abzubauen."

Bevor allerdings solche Schritte in Richtung eines gerechteren Handels unternommen werden können, muss ein großer Teil der Bevölkerung erst noch über die Notwendigkeit solcher Verbesserungen informiert werden. 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung haben laut der "Clean Clothes"-Befragung von den Missständen in der Dritten Welt noch nie gehört.

Für Kampagnen wie "Clean Clothes" gibt es also noch viel zu tun. (Claudia Schredl, Victor Höck/ DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2008)

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