Krasser Fall von Mobbing bei der Polizei

1. September 2008, 23:39
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Vorarlberger Postenkommandant quält Untergebene - und wird nicht suspendiert

Bregenz - Eine junge Polizistin wird über Monate von ihrem Chef gequält: gebissen, an den Haaren gezogen, in der Toilette eingesperrt, vor den Kollegen erniedrigt. Der Fall wird intern von den Kollegen aus dem Bezirk Bregenz untersucht, der Postenkommandant wird nicht vom Dienst suspendiert, sondern ins Landespolizeikommando versetzt.

Diese Vorgangsweise, zu der die Polizeispitze - Sicherheitsdirektor Elmar Marent und Landespolizeikommandant Manfred Bliem - schweigt, stößt bei der Politik auf harsche Kritik: "Ein Fehler", sagt Innenministerin Maria Fekter (ÖVP). "Als Innenministerin kann ich nicht akzeptieren, dass der Eindruck entsteht, solche Vorwürfe würden verharmlost werden." Auch Sicherheits-Landesrat Erich Schwärzler "hätte den Mann suspendiert". FPÖ-Landesrat Dieter Egger fordert die Suspendierung ebenso wie die Frauensprecherin der Grünen, Katharina Wiesflecker: "Durch diese Vorgehensweise wird der Eindruck erweckt, dass man den Vorfall intern abhandeln will, es eventuell etwas zu vertuschen gibt."

Der stellvertretende Landes-Polizeikommandant Siegbert Denz verweist auf die Prüfung durch die Disziplinarkommission, die über Suspendierungen entscheide. "Diesbezüglich hat die Disziplinarkommission keine Verfügung getroffen", sagte er zu ORF Vorarlberg. Nun liege der Fall bei Gericht.

"Gut akzeptiert"

Polizeigewerkschafter Eugen Lampert (FCG) fürchtet um das Image der Polizei: "So ein Fall tut weh. Da wird der ganze Apparat in Mitleidenschaft gezogen." Grundsätzlich würden Frauen bei der Vorarlberger Polizei "gut akzeptiert." Die Anfangsschwierigkeiten habe man überwunden.

Mobbing trifft häufiger Frauen, gerade im öffentlichen Dienst sei es ein großes Problem, sagt AK-Vizepräsidentin und ÖGB-Geschäftsführerin Manuela Auer (SPÖ. Zwei Drittel der Beschwerden bei der Mobbing-Beratungsstelle des ÖGB kämen von öffentlich Bediensteten, meist Frauen. Auer: "Meist sind sie extrem verschüchtert, haben Angst, dass ihr Fall öffentlich wird und sie den Arbeitsplatz verlieren." Hilfe von Kollegen sei selten. Auer: "Meist spielt das Team mit."

Die Gewerkschafterin sieht eine Ursache in der mangelnden sozialen Kompetenz der Vorgesetzten: "Man fragt bei der Besetzung von Leitungspositionen nicht nach der Führungsqualität."(Jutta Berger, DER STANDARD, Print, 1.9.2008)

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