Lokalaugenschein: "Hey Werner", "lieber Willi"

11. August 2008, 13:33
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Die junge ÖVP will "Substanz statt Pflanz", die junge SPÖ ruft gar "eine neue Politik" ins Leben - Ein derStandard.at-Lokalaugenschein bei den jungen Roten und Schwarzen - Mit Video

Eine große Gruppe Medienmenschen und viel rotes Jungvolk versammelte sich heute, Montag, vor der Parteizentrale der SPÖ in der Wiener Löwelstraße. Die Präsentation der  "Jugendkampagne der SPÖ" war angesagt - zumindest laut Terminankündigung.

Aber nichts da: "Wir präsentieren hier heute keine Jugendkampagne", erklärt die Listenvierte der SPÖ, Laura Rudas, auf der Bühne, die sie sich mit SP-Chef Werner Faymann und SP-Jugendkoordinator Peko Baxant sowie jungen roten KandidatInnen teilte. Was sonst, wenn keine Jugendkampagne? "Eine neue Politik" will man ins Leben rufen - mit Hilfe der gleichnamigen Website. Das, so Rudas, sei eine Politik die junge Menschen einbinde und "auf Parteihickhack als Selbstzweck" verzichte. "Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Vertrauen" seien die Grundwerte, die es zu vertreten gelte.

Hauptanliegen der jungen Roten: Bildung und Soziales. Also etwa „Einkommen, von denen man leben kann", Mindestentschädigungen für Lehrlinge, eine bessere Absicherung der "Generation Praktikum". Insgesamt , so Rudas, sind 97 KandidatInnen auf Landes- oder Bundeslisten unter 30 Jahre alt, etwa acht davon auch auf wählbarer Position.

Viele kleine Überraschungen

Faymann und Rudas streuten einander Rosen. "Ich bin froh, dass die Laura unsere Nummer vier ist", lobte Faymann. "Ich weiß, auf die jungen Roten kann ich mich verlassen". Und diese könnten sich im gegenzug auch auf ihn verlssen, verspricht Faymann. Entsprechend amikal begann Jugendkoordinator Baxant seine Ansprache:"Hey, Werner!" Mit der Zielgruppe wolle man "interaktiv interagieren", so Baxant. Die neue Website - beziehungsweise die neue Politik - sei dementsprechend "ganz auf Web 2.0 ausgerichtet". Und das sieht dann so aus: Youtube, Twitter, Flickr, Newsletter, RSS-Fedd, Onlinegames, Handygimmicks, Partyvideos, Service für Jungwähler. "Und viele weitere kleine Überraschungen", so Baxant. Auch PolitikerInnen kann man im Rahmen der Aktion "Rent a Politician" wieder mieten: "Zu sich selbst nach Hause oder auf einen Spaziergang", erklärt Baxant. Wahlgeschenke wird es auch geben: Eine Taschenlampe, das "Faymannlicht". Zum Abschluss der Pressekonferenz wird dann noch ein Bäumchen gepflanzt, Rudas und Faymann schwingen den Spaten. "Ein bisserl wackelig, aber geht schon", resümiert der Chef danach.

JVP will "Substanz statt Pflanz"

Reger Andrang am selben Tag auch bei der Jungen Volkspartei. Um die 20 AnhängerInnen der JVP hatten sich am Podium für die Pressekonferenz positioniert. Sonderlich wohl fühlten sie sich in dieser Rolle offensichtlich nicht. Die Aufmerksamkeit der Kameras und Journalisten gehörte für eine Viertelstunde ganz ihnen. Mit Smalltalk, einem charmanten Lächeln hier und einem Augenzwinkern da konnte die Zeit des Wartens dann doch überbrückt werden. Endlich - die Erlösung - dynamisch und unterstützt durch Applaus marschieren ÖVP-Chef Wilhelm Molterer und Silvia Fuhrmann, Vorsitzende der JVP dann doch ein.

"Willi" nimmt Sorgen ernst

Morgen sei der Internationale Tag der Jugend - und aus diesem Anlass wolle sie den Menschen in den Mittelpunkt rücken anstatt Wahlkampfstrategien zu präsentieren, sagte Fuhrmann. Und: "Dass Willi Molterer hier ist, zeigt wie wichtig ihm wir sind. Willi, du bist der einzige der die Sorgen der Menschen ernst nimmt."

Die Verankerung der Politischen Bildung in Schulen, billigere Führerscheine, günstigere Mieten und das Teilzeitstudium stehen im Wahlprogramm der JVP. "Wir wollen nicht als Generation Praktikum abgestempelt werden", sagt Fuhrmann. Sie fordert mehr Arbeitsplätze für Junge, mehr Geld für Zivildiener und Lehrlinge sowie Gehalt nach Leistung, nicht nach Alter. "Lieber Willi, ich übergebe dir unser Wahlprogramm. Uns geht es um Substanz statt Pflanz. Leere Versprechen der SPÖ haben wir genug gehört".

"Müssen mit den Maklern reden"

Mit den Worten: "Ich kann mich auf euch verlassen und ihr könnt euch auf mich verlassen", bringt Molterer die Augen der Jungen-ÖVP-Kulisse zum Strahlen - und verwendet dabei die selben Worte wie Werner Faymann bei der jungen SPÖ. Konkret verspricht Molterer, sich um das Problem mit den hohen Mieten für die Startwohnungen zu kümmern. "Wir müssen mit den Maklern reden". Die Stimmung ist hervorragend. Nur die Journalistenfrage, wie Silvia Fuhrmann sich jetzt fühlt, nachdem sie überraschenderweise nicht den ersten Listenplatz im Bezirk Neusiedl einnimmt, stört die Idylle. Und umgehend stellt "Willi" unter Beweis, dass man sich auf ihn verlassen kann. Väterlich legt er seinen Arm um Fuhrmanns Schulter: "Die Silvia Fuhrmann wird dem nächsten Nationalrat wieder angehören. Das habe ich mit (dem burgenländischen VP-Obmann, Anm.) Franz Steindl ausgemacht". (Anita Zielina, Katrin Burgstaller, derStandard.at, 11. August 2008)

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    Laura Rudas will eine "neue Politik" ins Leben rufen. Und Werner Faymann weiß, dass er sich auf die "jungen Roten" verlassen kann.

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    Silvia Fuhrmann will "Substanz statt Pflanz". Und Wilhelm Molterer weiß, dass er sich auf die junge ÖVP verlassen kann.

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