Campus-Modell soll Volksschule machen

1. September 2008, 20:01
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In Monte Laa entsteht ein "Kinderbildungszentrum" - Pilotversuch an vier Wiener Schulen kommt gut an

Wien - Mütter und Väter von 16.000 Wiener Kindern, die am Montag ihren ersten Schultag hatten, dürften beruhigt sein - zumindest am Vormittag, wenn die Kinder in der Schule büffeln. Am Nachmittag hingegen stellt sich für über 50 Prozent der berufstätigen Erziehungsberechtigten wieder die Frage: Wohin mit den Kids?

An den meisten 211 Wiener Volksschulen wird Nachmittagsbetreuung angeboten. Einerseits außerhalb der Schule in Horten oder aber in der Schule selbst in Form eines "Lern- und Freizeitklubs" . Immer beliebter werden Ganztagesschulen - 47 gibt es in Wien, wobei es bei diesen Unterschiede gibt: Die eine Form ist die sogenannte verschränkte beziehungsweise "Offene Ganztagesschule" , an der das Freizeitangebot und der Unterricht auf den Tag verteilt werden. An den nicht "verschränkten" wird am Vormittag unterrichtet und am Nachmittag der freien Zeit sowie den Hausaufgaben gefrönt.

Ab kommendem Schuljahr soll eine neue Form des Unterrichts Schule machen: das Campus-Modell. Damit wäre auch Wien im schulischen Bereich im 21. Jahrhundert angelangt. In Kanada oder den skandinavischen Ländern ist das Campus-Modell gang und gäbe.

Wie auf einer Uni können sich die Schüler in Kurse einschreiben. Sportkurse oder Musikunterricht, die die Kinder normalerweise außerhalb der Schule besuchen, sollen an den Campus geholt werden. Dazu Bildungsstadträtin Grete Laska (SPÖ): "Die Botschaft an die Eltern ist: Alles, was sie selbst organisieren müssten, wird an der Schule schon angeboten."

Derzeit entsteht ein "Kinderbildungszentrum" in Monte Laa. Dort sollen Kinder zwischen null und zehn Jahren betreut werden. Der fließende Übertritt von Kindergarten zur Volksschule soll für Schüler und Pädagoginnen leichter werden. So können die Kinder mit Defiziten, in der deutschen Sprache etwa, auch besser gefördert werden, verspricht sich Laska.

Hausübungen in der Schule

Dass sich das Campus-Modell bewährt, davon ist nicht nur Laska überzeugt: Die Direktorinnen der vier Schulen im 1., 9., 10. und 18. Bezirk, an denen das Campus-Modell vergangenes Jahr erprobt wurde, führen es heuer weiter. "Es kommt den Eltern entgegen" , sagt Elisabeth Suttner, Direktorin in der Galileigasse im 9. Bezirk. Der Vorteil sei, dass Hausübungen schon in der Schule erledigt und von Lehrerinnen der Schule betreut würden. Doch mehr als die vierte Gruppe, die sie heuer dazubekommen hat, wird Suttner nicht eröffnen können: Dafür ist die Schule zu klein. Dasselbe Problem hat Renate Krivenik, Direktorin der VS Börsegasse. Bei ihr bleibt es bei drei Gruppen á 19 Kindern.

Auch Isabella Kirchmayr bedauert, dass sie bevorzugt nur Kinder aufnehmen kann, deren beide Elternteile berufstätig sind. "Vor allem aus sozialen Gründen wäre es für viele wichtig" , sagt die Direktorin der Volksschule Schulgasse im 18. Bezirk. Die Bildungssprecherinnen der VP und der Grünen sind vom Campus-Modell zwar überzeugt, dennoch gibt es Kritik. "Monte Laa ist ein Tropfen auf den heißen Stein" , sagt Katharina Cortolezis-Schlager (VP). Claudia Smolik von den Grünen will lieber mehr Ganztagesschulen als Neubauten "auf der grünen Wiese" . (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 2. September 2008)

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