Reaktionen: "Härtere Bandagen für Katharina"

1. September 2008, 19:02
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Jürgen Flimm sieht "sehr gute Lösung" - die Festspiel-Mitarbeiter sind erfreut

Bernd Neumann: "Überwältigender Mehrheit"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat die Entscheidung des Stiftungsrates für Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner als künftige Leiterinnen der Bayreuther Festspiele ausdrücklich begrüßt. Die Entscheidung sei mit "überwältigender Mehrheit" gefallen (22:2 Enthaltungen laut Stiftungsrat). Der Stiftungsrat habe "nach Prüfung aller vorliegenden Konzepte eine personell wie inhaltlich tragfähige Entscheidung getroffen, die ich sehr begrüße", betonte Neumann in einer Presseerklärung.

"Dass sich der Stiftungsrat mit überwältigender Mehrheit für diese Tandemlösung entschieden hat, stärkt die Festspiele für die anstehenden Zukunftsaufgaben. Es wird jetzt darauf ankommen, das vorgelegte Konzept so umzusetzen, dass das berühmteste Opernfestival der Welt seiner Vorbildrolle als Schrittmacher und Leitstätte der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, seiner Tradition und seinem internationalen Ruf auch weiterhin gerecht wird." Die Bundesregierung werde deshalb "auch in Zukunft zu ihrer Verpflichtung stehen, die Bayreuther Festspiele zu fördern". Dem langjährigen Festspielleiter Wolfgang Wagner gebühre "für seine Leistung als Festspielchef in den letzten Jahrzehnten großer Dank", betonte der Staatsminister.



Christoph Schlingensief: "Härtere Bandagen"

Nach Ansicht des früheren Bayreuther "Parsifal"-Regisseurs Christoph Schlingensief wird die 30-jährige Katharina Wagner als künftige Festspielleiterin auch für produktive "Irritationen" auf dem "Grünen Hügel" sorgen. "Das hat sie in den Genen von ihrem Vater Wolfgang mitbekommen, der die Künstler zur Höchstform angespornt hat, weil in der Oper viele schon träge auf die Bühne kommen", sagte der 47-jährige Schlingensief der dpa am Montag.

"Katharina ist noch jung und muss sich noch härtere Bandagen erkämpfen. Aber sie hat denselben Drang wie ihr Vater, Irritationen zu erzeugen. Das ist jetzt noch etwas plakativ bei ihr und langweilt schnell, aber das kann sich profilieren. Und sie hat auch die Sturheit ihres Vaters und sie kann auch wehtun, das brauchen aber manche in der Branche. Ich lass mich auch quälen manchmal, sonst wäre ich beim "Parsifal" nicht glücklich geworden." Für ihn sei in Bayreuth Wolfgang Wagner "auch nicht das Problem" gewesen, "da gab es noch andere Leute". Wagner habe mit seinen "Störfeuern" Künstler veranlasst, "nochmal über sich und ihre Arbeit nachzudenken, wie ich es ja auch gerne mache".

Jürgen Flimm: "Sehr gute Lösung"

Der frühere Bayreuther "Ring"-Regisseur Jürgen Flimm hat die Entscheidung für Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als künftige gemeinsame Festspielleiterinnen in Bayreuth als "eine sehr gute Lösung" bezeichnet. "Eva Wagner ist von allen die erfahrenste Opern-Managerin", sagte Flimm der dpa am Montag. Sie habe auch große internationale Erfahrung durch ihre Arbeit in Frankreich.

"Ich weiß, was sie für gute Arbeit in Paris, New York und vor allem für das Festival in Aix-en-Provence geleistet hat. Und mit Christian Thielemann haben sie den zurzeit vielleicht besten deutschen Dirigenten mit im Team", sagte Flimm. Gegen die Kombination Nike Wagner/Gérard Mortier spreche, dass Mortier seinen Posten in Bayreuth "sozusagen nur als Teilzeitkraft machen würde und das würden vermutlich auch seine Arbeitgeber in New York nicht gerne sehen". Im September 2009 soll Mortier die Leitung der New York City Opera übernehmen.

Daniel Barenboim und Festspiel-Mitarbeiter erfreut

Der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper und Bayreuth- Dirigent Daniel Barenboim äußerte sich erfreut über die Wahl der beiden Halbschwestern. "Ich freue mich sehr für die zwei Schwestern und bin sicher, dass sie die tolle Arbeit ihres Vaters fortsetzen und die Wagner-Festspiele in eine neue Ära überführen werden. Hierfür wünsche ich ihnen viel Glück!", sagte Barenboim am Dienstag.

Auch die Mitarbeiter der Bayreuther Festspiele zeigten sich erfreut über die Wahl und gratulierten den Schwestern dazu. Auf der offiziellen Webseite der Festspiele heißt es ergänzend: "Erklärtes Ziel der beiden Töchter Wolfgang Wagners ist es vor allem, die Festspiele wieder zum weltweit führenden Theater der Wagner-Interpretation zu machen. Der Dirigent Christian Thielemann wird ihnen dabei als künstlerischer Berater in allen musikalischen Fragen zur Seite stehen."(APA/dpa)

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