Die Kehrseiten der Utopien

1. September 2008, 18:36
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Die zwei Seiten der "Utopia" spannen das Netz auf, in das sich das Wiener Festival Paraflows heuer einwebt - Negative Zukunftszenarien in nächster Nähe

"Es gibt bessere Aufnahmen vom Jupiter als von Gebäuden in Zonen wie der Area 51", erzählt Johannes Grenzfurthner, als er den Paraflows-Gast Trevor Paglen vorstellt. Paglen versucht die "Black Spots on the Map" zu tilgen - in den militärischen Sperrgebieten im südlichen Nevada kein leichtes Unterfangen. Paglen ist neben Jason Scott einer der Superstars im Diskursteil MetaSpace des zum dritten Mal stattfindenden Wiener Festivals für Digitale Kunst und Kulturen.

Zeitlich anschließend an die Ars Electronica in Linz (bis 9. 9.), gestaltet sich auch Paraflows, organisiert von Günther Friesinger, als Mix aus Diskurs und Ausstellung digitaler Kunst und Strategien. Ganze sechs Wochen (ab 11. 9.) und nicht wie bisher nur zehn Tage stehen heuer unter dem Motto Utopia. Das zweitägige Symposium ("Ambiente. Das Leben & seine Räume", 12./13. 9.) lockt mit Vorträgen u. a. von Simon Roloff oder Peter Berz. Oft erscheint die Utopie als erstrebenswertes, aber nicht realisierbares Ideal. Aber jede Utopie hat ihre Kehrseite, kann auch als Ausdruck eines Mangels, einer Krise ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft verstanden werden. Diese zwei Seiten der "Utopia" spannen das Netz auf, in das sich Paraflows heuer einwebt. In Kooperation mit dem MAK wird neuerlich das MAK Gegenwartskunstdepot im Gefechtsturm Arenbergpark mit Projekten, ausgewählt von Judith Fegerl, bespielt.

Eher der Dystopie, dem negativen Zukunftsszenario, zuzuordnen ist etwa das sarkastische Reisebüro des Finnen Adin Abil - "Abidin Travels" (Biennale Venedig 2007), das mit dokumentarischem Bildmaterial Reisen nach Bagdad bewirbt. Auch die tschechische Gruppe Ztohoven, die dieses Jahr von sich reden machte, weil sie Bilder einer Atombombenexplosion in harmlose TV-Bilder hinein"hackte", ist dabei. Ein weiteres Highlight ist das Cat Open (16. 9.) mit einer Audioinstallation und Performance des britischen Künstlers Scanner. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 30.08.2008)

  • Birgit Pleschberger beschäftigt sich mit der Fähigkeit, autonom zu handeln ("Welcome to Paradise", 2007).
    foto: paraflows

    Birgit Pleschberger beschäftigt sich mit der Fähigkeit, autonom zu handeln ("Welcome to Paradise", 2007).

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