Kampferprobte Schwestern für den Grünen Hügel

1. September 2008, 18:18
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Die eine, Katharina, ist zweifellos Wolfgang Wagners Liebling - Die andere, Eva, war es einst

Es war Katharina (30) noch gar nicht auf der Welt, in den 60ern, da fungierte Eva als Assistentin ihres Vaters Wolfgang Wagner in Bayreuth, der nach dem Tod seines Bruders Wieland die Alleinherrschaft auf dem Grünen Hügel übernommen hatte. Tenor Peter Hoffman hat sie entdeckt. Und sie war auch dabei, als der Jahrhundert-Ring stimmlich zu besetzen war.

Nachdem sich aber 1976 Wolfgang von seiner ersten Frau Elle scheiden ließ, kam es zum Bruch mit Eva. Wolfgang heiratete seine Sekretärin Gudrun, und Eva musste weg, es begann ihre nicht schmerzhafte Odyssee. Sie wurde Leiterin der Firma Unitel, die Opernfilme produziert. Als sie dort überraschend gekündigt wurde, soll ihr Vater die Finger im Spiel gehabt haben. So zog sie weiter, wurde Operndirektorin in London (Covent Garden), arbeitete kurz mit Daniel Barenboim in Paris und landete beim Festival in Aix-en-Provence.

Katharina hatte einen nicht unähnlichen Karrierestart. Auch sie wurde vom Vater in Bayreuth aufgebaut. Sie studierte Theaterwissenschaften, arbeitete als Regie-Assistentin auf dem Grünen Hügel, holte gar Christoph Schlingensief. Und als Teil jener Aktivitäten, die ihr die Herrschaft in Bayreuth näherbringen sollten, inszenierte sie auch die Meistersinger. Das war nicht ihr Regiedebüt, das gab sie 2002 mit dem Fliegenden Holländer in Würzburg, später kam der Lohengrin in Budapest. Und es zeigte sich: Da war Talent. Die andere, Eva, war allerdings zwischenzeitlich vom Stiftungsrat als Nachfolgerin von Wolfgang bestellt worden. Die Fronten verhärteten sich. Die Entscheidung konnte nicht wirksam werden, da der Vater auf seinen Vertrag beharrte.

Untätig blieb er nicht. Er pushte Katharina, die sich ihrerseits in die PR-Schlacht warf und durch zahllose Interviews zur bekanntesten Aspirantin auf einen Kulturjob in Deutschland avancierte. All das reichte nicht für die Alleinherrschaft, und so kam es tatsächlich zur Versöhnung von Eva und Katharina, für Eva auch zur Annäherung an Vater Wolfgang.

Wie das nun alles wird, werden die Jahre zeigen. Die Halbschwestern bekunden, einander zu mögen. Katharina soll Bayreuth nach außen repräsentieren, Eva, das Organisationstalent, nach innen wirken und sich um Opernbesetzungen kümmern. In Anbetracht der streitvollen Familiengeschichte der Wagners sollte man allerdings nicht auf ewige Harmonie hoffen. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD/Printausgabe, 02.09.2008)

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    Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier übernehmen Bayreuth.

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