Börse straft Commerzbank ab

1. September 2008, 17:41
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Commerzbank-Aktionäre und Börse reagierten kritisch und erbost auf die Übernahme der Dresdner Bank

Während Allianz-Aktionäre, Politiker und Interessenvertreter die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank einhellig begrüßten, reagierten Commerzbank-Aktionäre und Börse kritisch und erbost.

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Frankfurt - Kalt-warm bekam die Commerzbank am Montag für die Übernahme der Dresdner Bank. Während Bundesregierung, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und Einzelhandelsverband HDE den Deal begrüßten - sie erwarten eine Konsolidierung der Branche und positive Impulse für die Mittelstandsfinanzierung - kritisierten Investoren den Kaufpreis von knapp zehn Milliarden Euro als zu hoch.

"Auf den ersten Blick gefällt uns die Transaktion überhaupt nicht. Die Übernahme ist teurer als erwartet. Commerzbank-Aktien stürzten bei hohen Umsätzen um bis zu zwölf Prozent ab auf 17,71 Euro ab. Dass "die Fusion den Finanzplatz Deutschland stärkt" , wie Finanzminister Peer Steinbrück sagte, besänftigte die Börsianer ebenso wenig wie Steinbrücks Versicherung, es habe keinerlei politischen Druck auf die Dresdner-Mutter Allianz zugunsten einer deutschen Lösung gegeben. Bis zuletzt im Rennen war laut Finanzkreisen die China Development Bank (CDB), die ein höheres Gebot abgegeben haben soll.

Angesichts des niedrigen Commerzbank-Kurses erscheint die geplante Kapitalerhöhung sehr unattraktiv" , sagte DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr. "Hohe Restrukturierungskosten und die Ausgabe neuer Aktien im Tausch für eine verlusteschreibende Einheit werden die Gewinne der Commerzbank belasten" , urteilte Marktanalyst Heino Ruland von FrankfurtFinanz. "Die Aktionäre der Commerzbank werden einige Jahre zu leiden haben." Auch die angepeilten Synergien von fünf Milliarden Euro seien mehr als ambitioniert und der Stellenabbau (9000 Stellen) nicht einfach umzusetzen.

Generali will bleiben

Den italienischen Versicherer Generali stört das offenbar nicht, er will laut informierten Kreisen Anteilseigner der Commerzbank bleiben. Dies gelte auch nach der Vereinbarung zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Generali nahestehenden Kreisen. Der italienische Versicherer hält derzeit rund 8,6 Prozent an der Commerzbank.

"Die Commerzbank steht vor einer Riesenaufgabe, und es gibt noch ein paar offene Fragen, etwa wie sie den Jobabbau über die Bühne kriegen" , sagte ein Börsianer. Ein weiteres Haar in der Suppe fanden die Investoren im vereinbarten Übernahmepreis für die Fondsgesellschaft Cominvest, die künftig zur Allianz gehören wird. "Die Bewertung ist mit 700 Millionen Euro sehr niedrig - angesichts der 63,6 Milliarden Euro an verwalteten Vermögen" , gibt Carsten Werle von Sal. Oppenheim zu bedenken, der Commerzbank-Aktien von "neutral" auf "reduce" herunterstufte.

Allerdings sahen einige Experten auch strategische Vorteile. "Die Commerzbank wird sich so auf ihr erfolgreiches Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft in Deutschland konzentrieren" , meint MM Warburg. Auch habe das Institut gute Erfolge bei der Integration anderer Banken vorzuweisen, wie an den Beispielen Eurohypo, Schmidt Bank oder EssenHyp zu sehen sei.

Für die Allianz wird die Trennung von ihrem Sorgenkind durchwegs positiv gesehen. Sie habe einen guten Übernahmepreis verhandelt, erhalte Zugang zu einer größeren Vertriebsplattform und stärke ihre Vermögensverwaltung durch die Integration der Cominvest zu einem recht niedrigen Preis" , sagte Christian Muschim von Equinet. (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2008)

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