OÖ: Doch Ermittlungen nach Tod im Fluss

1. September 2008, 17:40
6 Postings

Staatsanwaltschaft Wels legte Fall einer Slowakin vorschnell zu den Akten

Linz - Im Fall jener slowakischen Pflegerin, deren nackter Leichnam am 29. Jänner diesen Jahres in der Ager (Bez. Vöcklabruck) gefunden wurde, gibt es jetzt eine überraschende Wende. Die Staatsanwaltschaft Wels hat dem Landeskriminalamt Oberösterreich einen neuen Ermittlungsauftrag erteilt - und schließt plötzlich ein Fremdverschulden nicht mehr aus.

Seit dem 18. Jänner war Denisa Soltisova als vermisst gemeldet. Elf Tage später wurde die 29-Jährige im Fluss gefunden. Weder die Polizei noch der Arzt, der die Leichenbeschau durchführt, fanden an dem Tod etwas seltsam. Mit 30. Jänner wurde der Fall zu den Akten gelegt und die Staatsanwaltschaft Wels gab den Leichnam frei. Die junge Frau wurde ohne Obduktion in ihre Heimat überstellt. Auf dem Totenschein findet sich der Vermerk "Selbstmord" .

"Mechanische Gewalt"

Doch abgeschlossen ist der Fall damit noch lange nicht. Denn in der Slowakei wurde die Frau obduziert. Und man verwarf umgehend die Selbstmord-Theorie. Blutergüsse an den Unterarmen und Schenkeln würden auf eine "mechanische Gewalt durch eine andere Person" hinweisen, Hämatome an der Innenseite der Oberschenkel ließen auf ein sexuelles Motiv schließen, heißt es in dem Bericht der slowakischen Gerichtsmedizin. Zusätzlich hätte man im Körper Rückstände eines Diabetes-Medikaments gefunden, obwohl die Slowakin nachweislich nicht zuckerkrank war.

Ein Teil des slowakischen Gerichts-Aktes ist jetzt der Staatsanwaltschaft Wels übermittelt worden. Und dort hat man rasch reagiert. "Wir haben den Fall neu aufgerollt. Es gibt neue Hinweise, denen nachgegangen werden muss. Ermittelt wird in alle Richtung - natürlich können wir auch einen Mord nicht mehr ausschließen" , erklärt Manfred Holzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels, auf Standard-Anfrage. Insbesondere werde man sich das sozialen Umfeld anschauen und Zeugen neu befragen.

Und warum wurde nicht bereits im Jänner eine Obduktion angeordnet? "Es gab keine Hinweise auf Fremdverschulden. Und es ist halt so im Leben, dass sich manches erst später abzeichnet" , ist Holzinger überzeugt. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 2. September 2008)

Share if you care.