"Schule neu" für 3700 Zehnjährige

1. September 2008, 17:34
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Mit dem "Schulbus" reiste Bildungsministerin Schmied zur Eröffnung der Neuen Mittelschule in Mattersburg an - Im laufenden Schuljahr kostet der Schulversuch 3,3 Millionen Euro

 Wien/Mattersburg - "Ich habe auch ein Klassenbuch mit", scherzte Claudia Schmied (SPÖ), als sie Montagmorgen vor dem Bildungsministerium gut gelaunt in einen „Schulbus" stieg. Gemeinsam mit Journalisten ging es stilecht zur  Eröffnung ihres "Herzensprojekts", der Neuen Mittelschule, ins  burgenländische Mattersburg. In der 6700-Einwohner-Stadt erklärte Schmied den Modellversuch stellvertretend für 67 weitere Schulstandorte in fünf Bundesländern persönlich für eröffnet. "In der Neuen Mittelschule haben die Schüler bis zum 14. Lebensjahr Zeit, ihre Talente zu entwickeln, bevor sie eine Berufswahl treffen müssen", erläuterte Schmied nach ihrem Eintreffen im bis zum letzten Platz gefüllten Kulturzentrum der Kleinstadt. Mit der Neuen Mittelschule sei man "auf dem besten Weg, das österreichische Bildungssystem ein Stück chancengerechter zu gestalten", behauptete die Ministerin, die sich trotz Gegenwindes der ÖVP für das Projekt starkgemacht hatte. Und erntete dafür spontanen Applaus. Insgesamt starten im Burgenland, in Kärnten, Oberösterreich, Vorarlberg und der Steiermark 3700 Kinder mit dem Schulversuch.

In Mattersburg werden ab sofort 140 Zehnjährige in sechs Klassen nach diesem Modell unterrichtet. „Die Begeisterung von Schülern, Eltern und Lehrern ist spürbar", versicherte die Direktorin der Mattersburger Modellschule, Johanna Schwarz. Hauptschule und Gymnasium werden parallel weitergeführt. Allerdings: In der „Modellschule" freut man sich über 30_Prozent mehr Anmeldungen, während das städtische Gymnasium mit einer Klasse weniger startet. Was denn nun das Spezielle an ihrer „neuen Schule" sei, wussten die betroffenen Schüler, nachdem sie mit der Ministerin medienwirksam Luftballons in den Himmel steigen lassen hatten, freilich nicht so genau zu beantworten.


Mehr Individualunterricht


Die zehnjährige Isabel erwartet sich vom neuen Schuljahr vor allem „viele neue Freunde". Ihr Klassenkollege Jakob hat gehört, „dass wir jetzt von Hauptschul- und AHS-Lehrern gemeinsam unterrichtet werden". In Mattersburg wird dies laut Direktorin übrigens in drei Viertel der Unterrichtsstunden der Fall sein. Auf dem Lehrplan stehen außerdem vermehrt offene Lernformen, Projektunterricht und mehr individuelle Förderung. Kostenpunkt für das laufende Schuljahr: laut Bildungsministerium rund 3,3 Millionen Euro. Geht es nach der Ministerin, soll die Neue Mittelschule übrigens schon 2009 flächendeckend in ganz Österreich angeboten werden. In der nächsten Legislaturperiode müsste es - „ja nach Engagement der nächsten Regierung" - möglich sein, zumindest ein Bundesland ganz umzustellen, wünscht sich Schmied. (Katharina Weißinger, DER STANDARD-Printausgabe, 2. September 2008)

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    Claudia Schmied ist überzeugt: "Der erste September 2008 wird in die Geschichte der österreichischen Bildungspolitik eingehen".

     

     

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