Internationale Ketten wollen den Österreichern an die Wäsche

1. September 2008, 17:26
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Dessousgeschäft: Harter Wettlauf um wenige gute Lagen

Wien - Martin Zieger fühlt sich in der Welt der Finanzinvestoren gut aufgehoben. Der gebürtige Mödlinger war einst Vorstand von Palmers und Charles Vögele. Seit zwei Jahren leitet er die holländische Dessouskette Hunkemöller. Das Tempo und die Professionalität, mit denen auf der Basis von Private Equity expandiert werde, seien enorm, sagt er. Zieger eröffnet derzeit jährlich 20 neue Standorte in Deutschland. Sein Konzern sei dort im ersten Halbjahr trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds flächenbereinigt zweistellig gewachsen. In Spanien sollen bis Jahresende gut zehn Filialen für Unterwäsche entstehen. "Wir überlegen, eine spanische Textilkette zu kaufen."

Der für diesen Herbst geplante Schritt nach Österreich verzögert sich jedoch. Hunkemöller peile in Österreich nach wie vor bis zu 40Filialen an. Deutschland und Spanien hätten nun aber Vorrang, so Zieger. Der Einstieg in Österreich werde frühestens 2009 erfolgen.

Mitbewerber zweifeln am Angebot an ausreichend guten Lagen für feine Spitze. Etliche davon hat sich Mario Canori gesichert. Der frühere Klagenfurter Vizebürgermeister und Franchise-Nehmer der italienische Kette Intimissimi nutzte die Schwäche des Branchenriesen Palmers für zügige Expansion. Mittlerweile zählt er rund 40 Outlets.

Auch Beldona ist auf der Suche nach hochfrequentierten Lagen. Der Dessousspezialist stößt in seinem Heimmarkt Schweiz an die Wachstumsgrenzen und wagte sich daher heuer erstmals ins Ausland. Vor einer Woche eröffnete die zweite Filiale in Graz, im Februar folgt Wels. Weiters im Visier sind Wien, Innsbruck und Salzburg, sagt Firmensprecherin Teresa Welsersheimb. Ziel der Schweizer seien 20 Standorte in drei bis fünf Jahren, schnellere Expansion sei aufgrund der raren Toplagen schwer möglich.

Ein zweites Schweizer Familienunternehmen ist in Österreich seit Jahren breit aufgestellt: Triumph führt neben der eigenen Produktion rund 90 Shops, mittelfristig sollen es mehr als 120 werden.
Auch der Vorarlberger Wäschekonzern Huber sieht sich laufend nach neuen Outlets um. Palmers tauscht überwiegend schwächere gegen gute und größere Lagen.

Zieger plant für Österreich eigene Läden. Damit sei mehr zu verdienen als mit Franchise-Partnern. Der Konzern selbst steht nach vier Jahren unter dem Dach von Finanzinvestoren zum Verkauf. "Wir warten auf den Prinzen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2008)

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