"Volkstümlich, aber hart"

1. September 2008, 17:11
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Der konservative Wahlkampfberater Black ist Spezialist in Sachen Negativwerbung

Washington/Wien - Auf Charles Black, den hochrangigen Wahlkampfberater des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers John McCain, wurde die Öffentlichkeit im vergangenen Juni aufmerksam, als dieser in einem Interview erklärte, eine neuerliche Terroristenattacke würde seinem Kandidaten Stimmen einbringen. McCain widersprach, er habe seit 9/11 unermüdlich für die Bekämpfung des Terrorismus gearbeitet - und Black entschuldigte sich.

"Charlie" Black, wie er genannt wird, ist kein unbeschriebenes Blatt. Er wurde 1947 in North Carolina geboren. Seine Eltern waren Anhänger der Demokratischen Partei. Ihr Sohn wechselte 1964 unter dem Eindruck eines seiner Helden, des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater, die Partei und gehört seither den Republikanern an.

Sein ausgeprägtes Interesse für die Politik stellte Black auch ins Zentrum seines Studiums: An der University of Florida studierte er Politikwissenschaften, sein Jusdoktorat erhielt er von der American University. Zu seinen Helden zählen unter anderem der verkappte Rassist Jesse Helms. Nachdem Helms 1972 mit Blacks Hilfe in den Senat einzog, gründete er das National Conservative Political Action Committee, eine Organisation, die für neue Höhepunkte bei Methoden der Negativwerbung sorgte.

Später gehörte Black einer einflussreichen Lobbyisten-Firma an, für die er unter anderen den philippinischen Diktator Ferdinand Marcos vertrat. Auch für den in den USA praktizierenden Sektenführer Sun Myung Moon setzte er sich ein. Black unterstützte außerdem frühzeitig den irakischen Politiker Ahmed Jalabi, der US-Vizepräsident Dick Cheney und die Washingtoner "Neocons" mit falschen Informationen über den Irak belieferte.

Black wirkt sympathisch und trat bis vor kurzem oft im Fernsehen auf. "Er kann sehr volkstümlich sein" , sagt ein Freund, "aber er ist hart." (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2008)

 

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