Ermittlungen auch in Österreich

1. September 2008, 16:59
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Ex-Steyr-Vorstand Riedl wurde offenbar bereits vernommen - Keine Bestätigung der Staatsanwaltschaft Wien

Ljubljana - Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Bestechungsskandal um ein Radpanzer-Geschäft des finnischen Waffen-Herstellers Patria mit Slowenien werden angeblich auch in Österreich fortgesetzt. Wie die slowenische Tageszeitung "Vecer" am Montag berichtete, soll einer der verdächtigten Österreicher, der Ex-Steyr-Vorstand Hans Wolfgang Riedl, vergangene Woche von österreichischen Kriminalbeamten vernommen worden sein. Bei Riedl, der mit Patria kooperierte, soll auch eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden sein.

Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, konnte die kolportierte Hausdurchsuchung am Montagnachmittag auf Anfrage der APA definitiv nicht bestätigen. Auch von einer Vernehmung von Hans Wolfgang Riedl sei nichts bekannt. Es sei allerdings "denkbar", dass die Polizei zunächst ermittle und eine Anzeige erst bei der Staatsanwaltschaft eingehe.

Mutmaßliche Bestechung

Gegen Riedl und den austro-kanadischen Geschäftsmann Walter Wolf wurde Mitte Juli in Helsinki Haftbefehle wegen mutmaßlicher Bestechung und Industriespionage beim Verkauf von 135 Radpanzern um 278 Mio. Euro nach Slowenien erlassen. Wolf, der sich laut slowenischen Medienberichten seit Ende vergangener Woche im slowenischen Maribor (Marburg) befindet, ist nach Angaben seines Anwalts noch nicht vernommen worden. Er habe sich bisher sogar erfolglos um einen Termin bei slowenischen und finnischen Ermittlern bemüht, so Andrej Kac.

Unterdessen hat Wolf, der unter anderen auch eine slowenische Staatsbürgerschaft besitzt, erneut die gegen ihn erhobenen Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen. Gegenüber dem slowenischen Fernsehsender POP TV räumte er am Samstag allerdings ein, vor fünf Jahren den Kontakt zwischen Riedl und Ivan Crnkovic, dem Chef des slowenischen Unternehmen Rotis, hergestellt zu haben. Rotis trat bei dem Geschäft mit Slowenien als Patria-Vertreter auf. "Ich habe ihn (Crnkovic, Anm.) gefragt, ob er Interesse an einem Geschäft mit Riedl hat. Er sagte ja." Danach hätte er Riedl an Crnkovic verwiesen, womit die Geschichte für ihn beendet gewesen sei.

Verdächtige Kontobewegungen

Die Ermittler sind laut Medienberichten bereits im Vorjahr auf verdächtige Kontobewegungen zwischen Wolf und Riedl aufmerksam geworden, die laut Medienberichten im Zusammenhang mit dem Patria-Deal stehen sollen. Der Grazer Geschäftsmann Wolf betonte in dem Gespräch mit POP TV, dass die Transaktion nichts mit dem Patria-Deal zu tun habe. Er könne dies mit einer Rechnung nachweisen. Er habe das Geld an Riedls Partner für ein anderes Projekt von seinem österreichischen Konto überwiesen. Wie er erklärte, handelte es sich dabei um "einen Teil der Provision für eine Wasseranlage".

Laut der Tageszeitung "Dnevnik" soll das Wiener Unternehmen "Riedl Handelsgesellschaft" auf Wolfs österreichisches Konto Anfangs Februar 2006 eine Summe von 2,3 Mio. Euro auf der Basis einer von Wolf aufgestellter Rechnung über "Beratungsdienstleistungen beim Verkauf von Lkw an die slowenische Regierung" überwiesen haben. Eine Summe in gleicher Höhe hatte Riedl zuvor von Patria Vehicles bekommen als Provision im Zusammenhang mit dem Radpanzer-Geschäft in Slowenien. Wolf soll den Medienberichten zufolge einen Teil des Geldes später auf mehrere Bankkonten im Ausland weitergeleitet haben. Wie die Zeitung "Dnevnik" berichtete, hat die slowenische Regierung damals keine Lkw gekauft; das Verteidigungsministerium in Ljubljana (Laibach) hatte allerdings gut einen Monat davor den Radpanzer-Vertrag mit Patria unterzeichnet. (APA)

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