Wissen: Drei Modelle und ein neues

1. September 2008, 14:29
4 Postings

SPÖ und ÖVP einigten sich auf drei Säulen: 30 plus 6 Monate, 20 plus 4 oder 15 plus 3 - Jetzt schlägt die ÖVP bei dem kürzesten Bezugsmodell ein einkommenabhängiges Kindergeld vor

Wien - Der Kindergeldbezug ist mit Anfang 2008 neu geregelt worden, nachdem sich die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP auf eine "Flexibilisierung" geeinigt und zugleich die Zuverdienstgrenze von 14.600 Euro auf 16.200 Euro angehoben hatten. Seitdem gibt es die Möglichkeit, aus drei Bezugsmodellen zu wählen. Das Prinzip: Je kürzer die Inanspruchnahme, desto höher der monatliche Betrag - wenn auch nicht der maximal mögliche Gesamtbezug.

Lange Variante

436 Euro gibt es bei der "langen" Variante für maximal drei Jahre (30 Monate sowie mindestens sechs Monate für den zweiten Elternteil); 624 Euro gibt es 20 Monate lang plus weitere vier Monate für den Partner; das "kurze" Modell schließlich bringt 800 Euro für 18 Monate (drei davon vom zweiten Elternteil zu absolvieren).

Klassisch

Das lange, quasi "klassische" Modell 30 plus 6 ist nach wie vor das beliebteste; das kurze Modell (15 plus 3) indes stößt bei Vätern auf höhere Akzeptanz, haben die Erfahrungen seit Einführung gezeigt. Diese 800-Euro-Variante sollte den ÖVP-Vorstellungen zufolge durch das einkommensabhängige Kindergeld von mindestens 1.000 Euro bis maximal 2.000 Euro für maximal 14 Monate ersetzt werden.

Wer sich dafür entschiede, würde damit künftig mindestens einen Gesamtbetrag von 14.000 Euro - über die Maximalzeit von 14 Monaten - beziehen, das Höchstaufkommen betrüge 28.000 Euro. Zum Vergleich: Beim Kurzzeitmodell 18 plus 3 gibt es maximal 14.400 Euro, beim Mittelweg 20 plus 4 beträgt der mögliche Gesamtbezug 14.976 Euro, bei der "langen" Variante maximal 15.696 Euro.

ÖVP-Vorschlag

In ihrem Wahlprogramm stellt die ÖVP jetzt eine neuen Vorschlag für das kürzeste Bezugsmodell vor. Statt der derzeitigen Variante mit 800 Euro bei 15-monatiger Karenz soll es demnach 80 Prozent des Nettogehalts mit mindestens 1.000 und maximal 2.000 Euro geben. Die beiden längeren Varianten will die ÖVP unverändert lassen, auch die Zuverdienstgrenze soll gleich bleiben. Das Modell bezeichnet Staatssekretärin Christine Marek als Alternative zur Arbeitszeitgrenze. Eltern mit höheren Einkommen seien müssten nicht mehr nur stundenweise arbeiten, während Eltern mit niedrigen Einkommen nicht Vollzeit arbeiten müssten. Laut Berechnungen des Finanzministeriums verursache das neue Modell Mehrkosten in Höhe von 15 bis 30 Millionen Euro. Finanzieren will Minister Wilhelm Molterer die neue Kindergeldvariante mit Mehreinnahmen durch die gute Konjunktur. (APA/lis/derStandard.at, 1. September 2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.