Schwieriges Jahr für Winzer

1. September 2008, 13:16
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Pilzerkrankungen und Hagelschäden trüben die heimische Weinernte, rund sechs Prozent weniger Erntemenge wird erwartet, besonders betroffen ist das Burgenland

Wien - Die heimischen Winzer blicken auf ein schwieriges Jahr zurück. Aufgrund der vielen Niederschläge hat es in allen Anbaugebieten starken Befall durch Pilzkrankheiten gegeben. Zusätzlich war der Weinbau von "einer der stärksten Hagelepidemien" betroffen, sagte der Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes, Josef Pleil, am Montag vor Journalisten. "Erstmals seit vielen Jahren gibt es Ernteausfälle in bedeutend starkem Ausmaß", so Pleil. Trotz allem rechnet der Weinbaupräsident aber mit einer "mittelmäßig, durchschnittlichen Ernte".

"Noch nie" haben die österreichischen Weinbauern einen so großen Schaden erlitten, hieß es heute. Die durch Hagel entstandenen Schäden würden bisher 12,2 Mio. Euro betragen. Die Österreichische Hagelversicherung hat mit Stichtag 27. August 3.021 Schadensmeldungen verzeichnet. Zum Vergleich: 2007 sind 2.044 Schadensmeldungen eingegangen, 2006 waren es 1.251.

Besonders betroffen seien die Winzer im Burgenland. Die bisherige Schadensbilanz betrage dort 8 Mio. Euro und mehr als 4.000 Hektar geschädigte Weinflächen. Aber auch in Niederösterreich, der Steiermark und in Wien seien "bedeutende Hagelschäden" zu verzeichnen. In den betroffenen Gebieten rechnet der Weinbaupräsident aber nicht mit Qualitätsverlusten. Um die Pilzkrankheiten in den Griff zu bekommen, hätten die Winzer "große Anstrengungen und konsequente Maßnahmen" vorgenommen - wie das Abschneiden bereits befallener Trauben.

Sechs Prozent weniger Erntemenge

Vor den Schäden habe der Weinbauverband mit einer Erntemenge von 3 Mio. Hektoliter Wein gerechnet, sagte Pleil. Die derzeitige Prognose für das Jahr 2008 liege bei 2,5 Mio. Hektoliter, gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von mehr als 6 Prozent.

Die Situation sei aber nicht überall gleich: "In jenen Weingärten, die keine Schäden zu verzeichnen haben, steht einer ausgezeichneten Traubenqualität nichts im Weg", erklärte Pleil. Während die Winzer in den vergangenen Jahren aufgrund von Trockenheit und Hitze eine "Säureknappheit" bei den Trauben beklagten, haben die Trauben in diesem Jahr eine "elegante Säure".

Die neue Weinmarktordnung, die am 29. April diesen Jahres vorgestellt wurde, enthalte einige Maßnahmen, die vom Weinbauverband "sehr negativ" gesehen werden. So gebe es eine Neuregelung bei Weinen, die keine Herkunft tragen. Diese Weine (Tafelweine) können künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch Sorten- und Jahrgangsangaben tragen. Die bezeichnungsrechtliche Aufwertung von EU-Tafelweinen konkurrenziere aber das Qualitätsweinsystem, so die Kritik des Weinbauverbandes.

Der österreichischen Weinwirtschaft stehen aus dem EU-Weinmarktordnungs-Topf ab 2008 acht Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Diese Summe werde sich bis zum Jahr 2013 auf rund 13 Mio. Euro pro Jahr erhöhen. (APA)

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    Hagelschäden und Pilzerkrankungen trüben die Aussicht auf ein besonders erfolgreiches Weinjahr 2008. Erwartet wird trotz allem eine "durchschnittliche" Ernte.

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