Nur 20 Prozent der armutsgefährdeten Kinder besuchen Gymnasium

1. September 2008, 13:40
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Finanzielle Lage hat starken Einfluss auf den Bildungsweg - Armutskonferenz fordert andere Schulorganisation

Gleiche Bildungschancen für alle - egal, ob arm oder reich. Rein theoretisch sollte dies für alle Kinder in Österreich gelten. Doch in der Praxis sieht es anders aus, wie die Zahlen der Statistik Austria zeigen. "Die für geringe Einkommen kaum leistbaren Schulstartkosten sind ein Indiz für eine Schule, die zu wenig integriert und zu stark sozial ausgrenzt", macht Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk, Mitarbeiter der Armutskonferenz, auf notwendige Reformen in der Schule aufmerksam.

Nur 30% aller Kinder am Gymnasium

Die finanzielle Lage der Haushalte manifestiert sich in Österreich darin, welcher Schultyp für die Kinder gewählt wird. Laut Statistik Austria besuchen 80 Prozent der 10- bis 14-Jährigen aus armutsgefährdeten Haushalten eine Hauptschule, während der Anteil bei Kindern aus nicht armutsgefährdeten Haushalten nur 63 Prozent beträgt. Umgekehrt besuchen nur ein Fünftel der Kinder (20%) aus armutsgefährdeten Haushalten eine AHS, aber fast 40% (37%) der nicht armutsgefährdeten Familien. Insgesamt verteilen sich alle SchülerInnen in Österreich zu 70% auf die Hauptschule und zu 30% aufs Gymnasium.

Bildungsweg darf nicht vom Einkommen abhängen

"Diese Zahlen zeigen, dass der sozialokönomische Status der Eltern in Österreich einen zu starken Einfluss auf die Bildungswahl hat. Einmal arm, darf aber nicht immer arm heißen. Notwendig dafür ist ein Bildungssystem, das die schwierigen Bedingungen im Elternhaus durchbrechen kann und nicht durch mangelnde Durchlässigkeit fortführt", heißt es von Seiten der Armutskonferenz.
"Damit Bildungschancen vom Talent der Kinder und nicht vom Einkommen der Eltern abhängen, muss die neue Regierung in eine andere Schulorganisation und in eine bessere Unterrichtsqualität investieren, es braucht eine andere Schulraumarchitektur wie eine neue Lehrerausbildung", fordert Schenk von der Armutskonferenz. (red/derStandard.at, 1.09.2008)

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