Erneut Anschlag auf deutsche Bundeswehr

1. September 2008, 12:46
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Patrouille kam in Nord-Afghanistan unter Beschuss - Wut in Kabul über zivile Opfer bei Razzia

Berlin - In Nordafghanistan ist am Montag der dritte Anschlag binnen weniger Tage auf deutsche Bundeswehr-Soldaten verübt worden. Verletzt worden sei niemand, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Berlin. Am Vormittag gegen 11 Uhr sei eine Patrouille etwa neun Kilometer nördlich von Kunduz mit Handfeuerwaffen beschossen worden. In der Nähe der Patrouille seien zudem mehrere Explosionen wahrgenommen worden. Einzelheiten zu den Urhebern des Angriffs lägen noch nicht vor.

Erst vorigen Mittwoch war ein 29 Jahre alter Hauptfeldwebel bei einem Anschlag nahe Kunduz getötet worden. Am Sonntag war 45 Kilometer westlich von Kunduz neben einer Patrouille erneut ein Sprengsatz explodiert. Dabei waren die Fahrzeuge der Soldaten leicht beschädigt worden.

Wut in Kabul über zivile Opfer bei Razzia

Hunderte Afghanen sind in einem Vorort von Kabul aus Wut über denTod zweier Kleinkinder bei einer Razzia ausländischer Soldaten auf die Straße gegangen. Die Demonstranten blockierten mit brennenden Autoreifen die Hauptverbindungsstraße nach Jalalabad. Sie zeigten Journalisten am Montag die blutigen Leichen der knapp zwei Jahre alten Kinder, die zusammen mit ihrem Vater und einer Frau bei einem Einsatz in den frühen Morgenstunden erschossen worden sein sollen. "Ausländische Einheiten" hätten das Haus angegriffen, sagte Mohammed Naweed aus dem Ort Hoodchail der Nachrichtenagentur AFP. Die Razzia am östlichen Rand der Hauptstadt sei von US-Soldaten mit Unterstützung afghanischer Geheimdienstagenten durchgeführt worden, erklärte ein Polizeisprecher. Die US-geführten Koalitionstruppen und die NATO bestritten, in den Vorfall verwickelt zu sein.

Der Tod der Zivilpersonen dürfte die Beziehungen zwischen Einheimischen und ausländischen Truppen weiter belasten. Naweed sagte, dass die Soldaten das Eingangstor des Hauses aufgesprengt und das Feuer eröffnet hätten. Anschließend seien drei Männer abgeführt worden. Örtliche Fernsehsender zeigten Bilder von klagenden Frauen, die neben den Leichen standen und den Rücktritt von Präsident Hamid Karzai forderten. Ein NATO-Sprecher sagte, es gebe keine Anzeichen, dass Soldaten der NATO-geführten ISAF an dem Angriff beteiligt gewesen seien. Erst in der vergangenen Woche waren bei einem US-Luftangriff in der Westprovinz Herat nach UN-Angaben 90 Zivilisten getötet worden, darunter 60 Kinder. Bei einem Zwischenfall an einer Straßensperre mit deutschen NATO-Soldaten wurden am Donnerstag drei Zivilisten, darunter zwei Kinder, erschossen.

Entscheidung über Verlängerung des Bundeswehrmandats

Der deutsche Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehrmandats in Afghanistan. Ab Herbst sollten schätzungsweise 4200 Mann im Rahmen der NATO-geführten ISAF-Truppe in dem Land stationiert sein. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verschlechtert. Nach dem neuesten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London droht Afghanistan der Zerfall, sollten die NATO-Truppen es nicht schaffen, die Taliban niederzuringen, die zum "Heiligen Krieg" gegen die Fremden im Land und gegen die Kabuler Regierung des Präsidenten Hamid Karzai aufgerufen haben. Auch der frühere deutsche ISAF-Stabschef General Bruno Kasdorf hatte erklärt, es bestehe "ganz konkret" die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe. (APA/Reuters)

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