Bankenfusion: Sieger sehen anders aus

1. September 2008, 12:16
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Zum Schluss war es doch eine deutsche Lösung: Um 9,8 Milliarden Euro schnappt sich die Commerzbank die Dresdner Bank - die Chinesen gehen leer aus

Nach monatelangen Verhandlungen ist der Verkauf der unprofitablen Allianz-Tochter, Dresdner Bank, an die Commerzbank perfekt: Die beiden Dax-Konzerne einigten sich auf einen Kaufpreis von 9,8 Milliarden Euro, die China Development Bank hatte das Nachsehen. Das Ende einer Leidenszeit für die Allianz. Bislang summieren sich die Belastungen der Dresdner Bank aus der Finanzkrise auf 2,5 Milliarden Euro. Der operative Ertrag des Instituts bricht im zweiten Quartal um zwei Drittel auf 635 Millionen Euro ein.

Die nun beschlossene Verschmelzung mit der Commerzbank wird sich über einen Zeitraum von voraussichtlich rund einem Jahr hinziehen. Es ist die größte Fusion in der deutschen Finanzbranche seit sieben Jahren. An der Börse derzeit mit 13,2 Milliarden Euro bewertet, ist die Commerzbank nicht viel größer als ihr Fusionspartner. Damit mischt eine neue Großbank die deutsche Finanzbranche auf. Doch der Deal hat alles andere als den Charakter eines großen strategischen Wurfs: Zwei ertragsschwache Akteure finden zusammen, die sich in schwierigen Zeiten mit einem nahezu austauschbaren Geschäftsmodell in vergleichbaren Tätigkeitsfeldern mehr schlecht als recht behaupten.

Aus der Verbindung der beiden Kreditinstitute geht zwar ein zweiter nationaler Champion hervor, nicht aber ohne entsprechende Einschnitte: Mehr als 9.000 Stellen fallen weg, das sind rund 15 Prozent der insgesamt 62.000 Vollzeitstellen. Der Mutter-Konzern Allianz hat sich 2001 die Dresdner-Übernahme 24 Milliarden Euro kosten lassen - jetzt wird sie allenfalls neun Milliarden dafür bekommen.

Ein Vorteil des Zusammenschlusses ist sicher, dass man nun international besser aufgestellt ist, für die viel beschworene Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft iwar es allerdings unerheblich, an wen die Dresdner geht: Der neue deutsche Bankenriese erreicht im Privatkundengeschäft nur einen Marktanteil von deutlich unter zehn Prozent, während die Sparkassen auf mehr als 50 Prozent Marktanteil, die Volksbanken nochmals auf 30 Prozent kommen. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 1.9.2008)

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    Für die Allianz war die Übernahme der Dresdner Bank ein Desaster.

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