Mögliche Finanzspritze für Lehman Brothers

1. September 2008, 14:21
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Die US-Investmentbank verhandelt Medienberichten zufolge mit der südkoreanischen Korea Development Bank über einen Anteilsverkauf

Seoul - Bei der krisengeschüttelten US-Investmentbank Lehman Brothers nehmen Medienberichten zufolge Pläne für eine milliardenschwere Kapitalspritze Gestalt an. Nach einem Zeitungsbericht über intensivierte Gespräche Lehmans mit der staatlichen Korea Development Bank (KDB) meldete die Nachrichtenagentur Yonhap am Montag, die KDB wolle gemeinsam mit einer Privatbank Lehman-Anteile übernehmen. Die Agentur berief sich auf Kreise der südkoreanischen Marktaufsicht. Nach einem Bericht des "Sunday Telegraph" erhofft sich Lehman, noch diese Woche über einen Anteilsverkauf bis zu sechs Mrd. Dollar (4,07 Mrd. Euro) einzunehmen. Lehman steht im Zuge der Finanzkrise wegen hoher Abschreibungen unter Druck.

Lehman habe die Gespräche über ein KDB-Geschäft in den vergangenen Tagen vorangetrieben, berichtete der "Sunday Telegraph" ohne Nennung von Quellen. Demnach könnten die Koreaner bis zu 25 Prozent an dem US-Institut kaufen. Ein KDB-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen. Ende August hatte die KDB einen Einstieg bei Lehman als eine von mehreren Optionen bezeichnet. Die südkoreanische Finanzaufsicht FSC hatte allerdings Bedenken geäußert.

Kein Kommentar

Inzwischen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen der FSC, die Behörde werde kein Geschäft befürworten oder ablehnen, bevor die finanziellen Einzelheiten bekannt seien. Beobachter sahen dies als Zeichen für eine Richtungsänderung der FSC. Die Aufsichtsbehörde hatte bisher von der KDB verlangt, privaten Banken bei internationalen Übernahmen den Vortritt zu lassen und so Hoffnungen auf ein direktes Geschäft mit Lehman gedämpft.

Die südkoreanische Agentur Yonhap berichtete nun unter Berufung auf einen hochrangigen FSC-Vertreter, die Finanzmittel für ein Geschäft mit Lehman würden überwiegend von einer privaten Finanzinstitution kommen. Trotz der Informationen aus Behördenkreisen bekräftigte ein FSC-Sprecher die Bedenken der Behörde gegenüber einer führenden Rolle der KDB.

Aus den Behördenkreisen verlautete weiter, selbst wenn es einen Deal gebe, werde das Geschäft wohl kaum noch in dieser Woche abgeschlossen. Lehman steht unter Druck, sich noch vor Veröffentlichung seiner Quartalszahlen im September Kapital zu beschaffen. Im Juni hatte die Bank mit 2,8 Mrd. Dollar erstmals in seiner Geschichte als börsennotiertes Unternehmen einen Quartalsverlust gemeldet.  (APA/Reuters)

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