Zahl der Computerspielsüchtigen steigt

1. September 2008, 11:35
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Flucht in einer Zweitrealität: Besonders endlose Rollen- und Fantasiespiele fördern ein unkontrollierbares Suchtverhalten

Wien - Die Zahl von Computerspielsüchtigen, insbesondere Onlinespielsüchtigen, ist im Zunehmen begriffen - das liege an der Verfügbarkeit des "Suchtmittels", so Michael Musalek, Institutsvorstand des Anton-Proksch-Instituts in Wien.

Aus der realen Welt aussteigen

Mit der wachsenden Zahl an Internetanschlüssen steige auch die Zahl der Süchtigen. Generell würden vor allem Fantasiespiele abhängig machen: "Weil man dabei leicht in eine Zweitrealität einsteigen kann. Das ist auch bei anderen Süchten so, dass man aus einer Welt aussteigen will, mit der man nicht mehr fertig wird."

Alarmzeichen Kontrollverlust

Fatal sei, dass Computerspiele meist für einen hohen Konsum konzipiert seien, sagte Musalek. Suchtparameter sei nicht, ob man online spiele oder nicht - bei Spielen im Netz kämen allerdings Umstände dazu, wie z. B. dass man sich zu gewissen Zeiten einloggen müsse. Gefährlich wird es laut dem Experten dann, wenn der Gebrauch nicht mehr kontrollierbar ist und man nicht mehr im Griff hat, ob und wie lange man spielt.

Entzugserscheinungen: Unruhe, Angstzustände, Schlafstörungen

Bei Abhängigkeit könnten auch Entzugserscheinungen auftreten, ähnlich wie bei Alkohol: Unruhe, Angstzustände, Schlafstörungen, aber auch gestörtes Verhalten wie Ritzen, nannte der Experte Beispiele. Das Leben würde auf das "Suchtmittel" eingeengt. Bei der Therapie sei eine Neuentwicklung notwendig: "Die klassische Behandlung der Abstinenz ist hier nicht möglich, weil der Betroffene sonst ja aus den gesellschaftlichen Verbindungen herausfällt."

Kommunikationsprobleme und soziale Phobien

Also braucht es andere Therapieziele, wie z. B. sich in "besonders gefährlichen Zeiten" gar nicht vor dem Computer zu setzen und sonst nur bestimmte Programme anzuwenden. Eine Sucht würde nie alleine auftreten und sei immer eingebettet in andere psychischen Störungen wie z. B. Depressionen, Angststörungen oder sozialer Isolation, erklärte Musalek. Auffällig bei der Internetsucht: "Betroffene haben oft soziale Fähigkeiten nicht erlernt und haben dementsprechend Kommunikationsprobleme oder soziale Phobien."

Achtsamkeit der Eltern

Im Jugendalter würde man den Umgang mit den eigenen Hemmungen, dem anderen Geschlecht und neuen Situationen erst lernen - aber gerade Jugendliche würden viel spielen, seien oft online und folglich auch besonders betroffen. Deshalb sollten Eltern achtsam sein und sich beraten lassen - am Anton-Proksch-Institut, an dem seit fünf Jahren eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema Internet- und Computersucht installiert ist, ist dies möglich.

Tabuisierte Sucht

Bisher würden aber noch wenige Angehörige das Angebot nutzen: "Weil bei uns Sucht noch immer tabuisiert wird. Man kommt praktisch immer zu spät", so Musalek. Das Problembewusstsein sei noch nicht sehr verbreitet. (APA)

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