Republikaner blasen Großteil des Parteitags ab

1. September 2008, 17:15
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Die McCain-Kampagne muss wegen Hurrikan "Gustav" die Convention modifizieren, ihr Kandidat soll sich als mitfühlender Krisenmanager präsentieren

Ihr Drehbuch mussten die Kampagnenmanager am Montagmorgen endgültig umschreiben. Nicht John McCain oder Sarah Palin, sondern Hurrikan "Gustav" hatte die Hauptrolle auf dem republikanischen Parteitag in Minneapolis/St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota übernommen. Die ursprünglichen Pläne, die beiden Kandidaten der Nation in einer vier Tage dauernden Werbeschaltung zu präsentieren, waren Makulatur.

Die Republikaner strichen alle Veranstaltungen im Xcel-Center von St. Paul - außer jene, die unbedingt nötig waren, um McCain und Palin offiziell als Kandidaten zu nominieren. Für die von "Gustav" betroffenen Staaten wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, eine gecharterte DC-9 stand bereit, um Delegierte von Minnesota nach Mississippi zu fliegen. Cindy McCain und Laura Bush begannen am Montag ihren Tag bei einem Arbeitsfrühstück mit Delegierten aus der Krisenregion.

Bush-Auftritt abgesagt

Auch die Auftritte von Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney in St. Paul fielen "Gustav" zum Opfer, durchaus zur Erleichterung des McCain-Lagers. Denn der Hurrikan brachte Erinnerungen an eines der größten Versagen dieser republikanischen Administration auf:das Missmanagement der "Katrina" -Krise vor drei Jahren. Davon versuchten sich McCains Leute zu distanzieren. Ihr Kandidat sollte sich als einer präsentieren, der sich mitfühlend um Amerikaner in Not kümmert - ganz gemäß seinem Wahlkampfmotto "Country first".

Einige Beobachter konnten in den geänderten Plänen sogar Vorteile für den republikanischen Kandidaten erkennen. McCain hätte sich ohnehin schwergetan, Barack Obamas vergangene Woche in Denver gehaltene Rede zu kontern, schrieb Dan Balz in der Washington Post. Die Republikaner hätten in St. Paul keine vergleichbare "Star-Power" - die Clintons, Ted Kennedy, John Kerry, Al Gore - auf die Bühne bringen können wie die Demokraten. Außerdem sei die demokratische Kampagne ebenso von "Gustav" betroffen.

Barack Obama kündigte an, Helfer ins Krisengebiet schicken zu wollen. Der Demokrat stellte auch eine Geldspende in Aussicht, sobald die Schäden abschätzbar seien. Wie McCain erklärte Obama, dass es nun an der Zeit sei, alle parteipolitischen Differenzen beiseite zu lassen und zusammenzuhalten.
Die jüngsten Umfragen deuten weiter auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Bei CNN hat Obama bundesweit einen Punkt Vorsprung auf McCain (49 zu 48 Prozent Zustimmung). Die Hälfte der Befragten meint, dass Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin nicht als Präsidentin geeignet sei. Drei Viertel sind der Ansicht, dass McCain sie ausgesucht habe, um Frauen anzusprechen.

Schlechte Noten für Palin

In einer von Republikanern in Minnesota durchgeführten Fokusgruppen-Untersuchung unter unentschlossenen Wählern bekam Palin schlechte Bewertungen. Zwei Drittel der 25 Interviewten hatten eine schlechte Meinung von der Gouverneurin von Alaska, nur eine Person wollte die Republikaner wegen ihr wählen.

Eine Demokratin und Hillary-Unterstützerin in der Gruppe erklärte, sie habe McCain wählen wollen. Palins Nominierung mache ihr das nun unmöglich: "Vorher habe ich mich nicht mit John McCains Alter auseinandergesetzt. Aber was, wenn diese Frau Präsidentin wird? Außerdem stellt sich jetzt heraus, dass er ein Rechter ist. Ich dachte, er wäre moderat."

Die 17-jährige unverheiratete Tochter von Sarah Palin, die sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe propagiert, ist schwanger. Bristol werde den Vater des Kindes heiraten, teilten die Palins mit: "Wir sind stolz auf Bristols Entscheidung, das Baby auszutragen, und noch stolzer, Großeltern zu werden." (Christoph Prantner aus Washington /DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2008)

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    Kandidat McCain gab im Fernsehen die Änderungen des Procederes auf seinem Nominierungsparteitag bekannt.

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