Warum sie winken

31. August 2008, 20:36
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Politker auf der Bühne des Sports

Der typische Politiker pflegt einen sportlichen Körper und eine geschmeidige Sprache. Er joggt und verwendet Haargel oder Fremdhaareinwebungen, kennt Pauli Scharners Stärken und Schwächen und hat mit Markus Rogan über den selbsterzieherischen Wert von Askese und Angeberei diskutiert.

Die Gefährtin des Volksvertreters ist Model oder unsichtbar. Seine Nähe zu Unternehmern wie Frank Stronach oder Didi Mateschitz verdankt er nicht etwa der persönlichen oder parteilichen Vorteilssuche, sondern der inneren Verpflichtung zum Leistungsprinzip: das größtmögliche Wohl für die Größtmöglichen.

Der Sportler als Rollenmodell für Politiker ist ein Fortschritt. Der rauchende Opa (Van der Bellen), der pummelige Genussmensch (Josef Pröll), der leutselige Pedant (Molterer), der hysterische Möchtegernklassensprecher (Strache) - alle schleppen sie einen Wettbewerbsnachteil mit sich herum. Bruno Kreisky müsste heute mindestens ein Zimmerfahrrad nachweisen. Das erste Zeichen des SPÖ-Abstiegs war Fred Sinowatz' Leidenstour 1976 mit Taschentuch auf der Glatze und Franz Klammer auf den Patscherkofel. Und seine Bobfahrt!

Sportliches Outfit ist selbsterklärend, es braucht keine sonstigen Werte. ÖVP, SPÖ und Grüne erwähnen den Sport immerhin in ihren Programmen, wenn auch nicht gar originell. BZÖ, LIF und FPÖ finden ihn keiner Erwähnung wert, Fritz Dinkhauser hatte noch keine Zeit für ein präzises Programm. Deshalb haben wir nachgefragt. Mit Winkewinke neben dem Siegerpodest ist es nicht mehr getan. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 1.9.2008)

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