BZÖ: Mehr Privat, weniger Staat

31. August 2008, 20:33
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Die Orangen fordern eine radikale Verwaltungsvereinfachung und eine Analyse der Förderwirkung

Wien - „Der Sport sollte prominenter Teil eines Ministeriums sein." Peter Westenthaler, der Sportsprecher des BZÖ, ist mit der politisch-bürokratischen Doppelgleisigkeit (Staatssekretariat, Bundeskanzleramt) der Sportadministration unzufrieden. Ineffizient sei das, wie die „Mehrfachgleisigkeit" der (teils politisch zuordenbaren) Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION und ASVÖ. Der Proporz, der auch in der Bundes Sportorganisation (BSO) regiert, sollte zugunsten einer einigen Sportorganisation wegrationalisiert werden. Positives Beispiel: die vor einigen Jahren erfolgte Ausgliederung der Bundessportheime.

Die „politisch motivierte" Sportförderung will Westenthaler abschaffen, und so viel wie möglich privatwirtschaftlich organisieren. Eine Neuverteilung, auch weil der ÖFB allein rund ein Viertel der Besonderen Sportförderung (2007: rund 15 Millionen von 62) einstreift? Nein, sagt Westenthaler, erst evaluieren, dann umverteilen. „Jetzt dem Fußball, der sich in einer spürbaren Aufwärtsbewegung befindet Gelder zu streichen wäre jedoch das falsche Signal." Auf Schwimmen, Laufen („es kann doch nicht sein, dass wir seit Steffi Graf gar nichts mehr zusammenbringen, da muss einiges schief gelaufen sein") und „die Boots-Sportarten" wie Kanu, Kajak, Segeln und Rudern würde das BZÖ sich konzentrieren.

Im BZÖ-Programm kommt der Begriff Sport nicht vor, in dem Positionspapier nur als Teil des Wortes Gütertransport (S. 9). Dennoch ist die Partei nicht ohne einschlägige Meinung, sie will beispielsweise, dass „möglichst viele Menschen Zugang zu Bewegung und Sport erhalten". Das sei gut für die „Volksgesundheit" und gut für die Talentefindung. Und gut für die Wirtschaft, hat er doch das Potential, Arbeitsplätze zu schaffen. Was auch eine Lehrlingsausbildung „Sport" nahe legt.

Die tägliche Bewegungseinheit will Westenthaler, wie fast jeder Sportpolitiker. Warum sie nicht schon längst eingeführt wurde, schließlich war das BZÖ lange genug in der Regierung, bleibt ein Rätsel. Wie Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka schiebt auch Westenthaler für die Abnahme der schulischen Bewegungseinheiten der Schul-Autonomie die Hauptschuld zu.
„Die vorherrschende Funktionärklasse hat es nicht geschafft, tragfähige, moderne und nachhaltige Strukturen aufzubauen", kritisiert der BZÖ-Sprecher. Rühmliche Ausnahme: der Skiverband.

„Wien braucht dringend ein modernes großes Fußballstadion weil das Ernst-Happel-Stadion immer mehr zum Denkmal wird", sagt Westenthaler, der rund eineinhalb Jahre als Vorstand der Fußball-Bundesliga arbeitete. Bei Neubauten könnte „eine Verpflichtung zur Schaffung von Bewegungsräumen" vorgesehen und bei Altbausanierungen eine einschlägige Förderung wie bei der Wärmedämmung geschaffen werden. Die von Ex-Staatssekretär Karl Schweitzer ins Leben gerufene Initiative „Fit für Österreich" habe den Sport als „Dienstleister im Gesundheitssystem" verankert, weitere zwischen Vereinen, Versicherungen und Ärzten abgestimmte Maßnahmen müssten folgen „um ein Bewusstsein für die Kosten sparende Relevanz des Sports zu schaffen. Vor allem im Bereich der Pharmaindustrie besteht noch Aufklärungsbedarf".

Das Dopingproblem sei auch eine Folge der Kommerzialisierung und werde durch die Anprangerung einzelner „Sündenböcke" nicht gelöst, auch nicht durch die (im neuen Dopinggesetz nicht vorgesehene) Kriminalisierung sündiger Sportler. Zur Finanzierung des Spitzensportbetriebs dient in Österreich der Glücksspielsektor, private Sportwettenanbieter wie Admiral engagierten sich bereits freiwillig, so Westenthaler. Eine gesetzliche Regelung sollte gemeinsam mit den privaten Wettanbietern erfolgen. Um die Spendierfreudigkeit zu erhöhen wären jedenfalls Steuererleichterungen hilfreich. Auch zwecks „ansteigendem Volumen der Eigenfinanzierung von Sportverbänden/Vereinen".

Da der Sport quasi von alleine integrative Funktionen erfüllt, „die über einzelne Maßnahmen bzw. Glücksfälle (Jukic) hinausgehen", sollte eine gesetzlich geregelte Förderung dies unterstützen. Mit einer Werbeeinschränkung gegenüber der Fast Food- und Softdrink-Industrie tut sich das BZÖ wie die meisten anderen Parteien schwer. Westenthaler: „Die Frage gesunder Ernährung im Allgemeinen wäre nicht punktuell über Werbung, sondern stringenter Weise über lebensmittelrechtliche Bestimmungen zu regeln." Auch wenn er einräumt, dass emotionale, über den Starsportler sich direkt an Kinder richtende Werbung ein Problem sein könnte. Das Problem selber sieht er jedoch. „Eingeschränkte Werbung kann nur ein kleiner Teil einer groß angelegten Kampagne zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens der Bevölkerung sein." (Johann Skocek,  01.09.2008)

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