US-Wahlkampf: Zeichen an die Kernklientel

31. August 2008, 18:29
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Mit der Nominierung Sarah Palins als seine Vizepräsidentschaftskandidatin fährt John McCain in vielerlei Hinsicht mit hohem Risiko

Mit der Nominierung Sarah Palins als seine Vizepräsidentschaftskandidatin fährt John McCain in vielerlei Hinsicht mit hohem Risiko: Sie relativiert sein bestes Argument gegen Barack Obama, die Erfahrung. Sie wird von vielen Unabhängigen als unwählbare, kryptokonservative Schreckschraube wahrgenommen. Und statt verärgerte Demokratinnen anzusprechen, vergrault sie diese mit ihren Ansichten zum Recht auf Abtreibung eher. Aber, und das ist Palins großer Vorteil, sie versöhnt McCain mit den Evangelikalen, einer republikanischen Kernklientel.

Karl Rove, der als „Gehirn George W. Bushs" galt und zwei Präsidentschaftswahlkämpfe für ihn gewann, bezeichnet die gut fünf Millionen evangelikalen Stimmen als wahlentscheidend. Dass das Spendenaufkommen für McCain nun steigt und sich führende Evangelikale für den eigentlich verhassten Kandidaten aussprechen, ist ein gutes Zeichen für die Republikaner. Auch Hurrikan „Gustav" kommt ihnen zupass. Eine bessere Gelegenheit, die weitgehend unbekannte Palin bundesweit vorzustellen, hätten sie nicht bestellen können. So ist den Republikanern die absolute Themenführerschaft im Medienwahlkampf in der kommenden Woche sicher, Obamas substanzielle Rede in Denver dagegen ist fast wirkungslos verpufft.

Wichtig ist einstweilen nur, dass der Vizepräsidentschaftskandidatin keine groben Fehler unterlaufen. Aber auch wenn Schnitzer passieren, muss das für die Wahl noch nichts heißen. Bush der Ältere und ein gewisser Dan Quayle (er war nicht imstande, „potato" korrekt zu buchstabieren) haben das 1988 bewiesen. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2008)

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