Bank-Fusionen: Außer Spesen nichts gewesen

31. August 2008, 18:26
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Von der geplanten Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank erwartet man sich Einsparungen und mehr Schlagkraft

Der Beifall ist gesichert, wenn im Bankenwesen Flurbereinigungen erfolgen. So erwartet man sich auch von der geplanten Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank Einsparungen und mehr Schlagkraft. Allein - die Ergebnisse derartiger Zusammenschlüsse werden den Ansprüchen meist nicht gerecht.

Das weiß die Dresdner Bank am besten, die 2001 von der Allianz geschluckt wurde - das Datum des Beschlusses am 1. April gilt heute noch als bezeichnend für das Unterfangen: Seither wurde das Geldhaus kleiner und ertragsschwächer. Und auch die Versicherung konnte nicht so recht aus der vermeintlich verheißungsvollen Kombination von Assekuranz und Bank Profit schlagen. Nach horrenden Verlusten im Investmentbanking blieb Allianz-Vorstand Paul Achleitner, dem österreichischen Architekten der Dresdner-Übernahme, nur noch der Verkauf des Geldinstituts.

Der Versicherungsmulti teilt damit die Erfahrung, die so manch aufstrebender Finanzmanager bereits gemacht hat: Massives Wachstum über Fusionen ist ein riskantes Spiel. Die am Reißbrett entworfenen Synergieeffekte lassen sich in der Praxis nicht so leicht einstreifen, wie das Berater errechnet haben. Interne Widerstände und Konflikte bei der Zusammenführung unterschiedlicher Unternehmenskulturen lassen die Einsparungsträume bald platzen. Außer Spesen in Form gigantischer Kaufpreise ist dann nichts gewesen.

Die Aktionäre können ein Lied von der langjährigen Einkaufstour der Citigroup oder der Übernahme der ABN Amro durch Royal Bank of Scotland (mit Partnern) singen. Die Belegschaften auch. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2008)

 

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