Alitalia-Sanierung hängt am seidenen Faden

31. August 2008, 17:27
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Kritik an Zweiteilung der Fluggesellschaft

Mailand - Die Sanierung der Alitalia unter ihrem neuen Präsidenten Roberto Colaninno hängt nicht nur von der Zustimmung der EU, sondern auch vom Goodwill der Gewerkschaften ab. Auch die Verbraucherschutzverbände kündigten Proteste an, da sie befürchten, dass die Alitalia Kleinaktionäre und Anleihenbesitzer zu kurz kämen. Corrado Passera, der als Chef der Banca Intesa Sanpaolo mit dem Sanierungsplan beauftragt wurde, bestätigte: In den nächsten vier bis fünf Wochen muss sich entscheiden, ob der Plan "Phönix" umsetzbar ist.

Am Montag beginnen die ersten Verhandlungen zwischen Regierung und den neun verschiedenen Gewerkschaftsgruppen. Giuglielmo Epifani von der mächtigen CGIL ließ wissen, dass die Arbeitnehmervertreter nicht nur über das überschüssige Personal (5000 bis 7000 Beschäftigte), sondern über das gesamte Sanierungskonzept diskutieren wollen. Regierungschef Silvio Berlusconi versicherte, dass "kein Arbeitnehmer auf der Strecke bleiben soll". Es seien Sozialprogramme mit einer siebenjährigen Garantie vorgesehen. Ein Teil der Beschäftigten soll bei privaten Industrieunternehmen untergebracht werden, die ihrerseits in den Genuss steuerlicher Vergünstigungen kommen. Die Opposition kritisiert, dass die Alitalia-Rettung wie eine indirekte Beihilfe wirkt, die zulasten der Steuerzahler geht.

Auch die EU muss ihre Zustimmung zum Sanierungsplan geben. Um überleben zu können, hat Alitalia in den vergangenen zehn Jahren 2,7 Mrd. Euro Staatshilfe bekommen. Die Mittel wurden größtenteils in Eigenkapital gewandelt. Die vorgesehene Zweiteilung der Gesellschaft könnte den EU-Experten daher nicht gefallen: Der Staat übernimmt die maroden Anteile plus Schulden und überschüssigem Personal. Private Unternehmer (Compagnia Aerea Italiana) übernehmen die gesunde Flugsparte.

"Die Alitalia-Sanierung ist gut und recht, es müssen dabei aber dieEU-Regeln berücksichtigt werden" , warnte EU-Kommissar Joaquín Almunia am Wochenende. Denn in die Abwicklungsgesellschaft werden die Schulden, die unrentablen Sparten und die überschüssigen Alitalia-Beschäftigten übertragen. "Soziale Marktwirtschaft à la Berlusconi" , kommentiert Nationalökonom Tito Boeri von der Mailänder Bocconi-Universität. "Der Bürger übernimmt die Schulden, der Unternehmer die Profite." Am Montag soll die neugegründete Compagnia Aerea Italiana (CAI) dem Alitalia-Zwangsverwalter Augusto Fantozzi ein Angebot für die Flugsparte in Höhe von 300 Mio. Euro präsentieren. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2008)

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