Dramatische Lage in georgischer Pufferzone

31. August 2008, 11:52
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Deutscher Arzt berichtet von starken Zerstörungen in der Zone - Vor allem kranke und ältere Menschen von der Krise betroffen

Moskau/Tiflis - In der von russischen Soldaten in Georgien kontrollierten Pufferzone vor Südossetien benötigen bis zu 10.000 Menschen nach Angaben des deutschen Arztes Richard Munz dringend humanitäre Hilfe. "Die Lage ist dramatisch, betroffen sind vor allem kranke und ältere Menschen, die ihre Dörfer nicht verlassen konnten", sagte der Mediziner von der Marburger Universitätsklinik in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Munz ist im Einsatz für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), der einzigen in der Sicherheitszone bisher zugelassenen Organisation.

"In den Dörfern leben noch etwa zehn Prozent der ursprünglichen Bevölkerung, Menschen die von ihren geflüchteten Angehörigen zurückgelassen wurden, deren chronische Krankheiten sich durch Medikamentenmangel verschlechtern", sagte Munz weiter. In den georgischen Dörfern sei die Versorgung mit Wasser und Strom zusammengebrochen. "Diese Bewohner sind jetzt am schlimmsten von allen betroffen. Wenn ihnen nicht geholfen wird, werden sie den Winter nicht überstehen."

"Starke Zerstörungen in der Zone"

Die etwa 25 Kilometer breite Pufferzone erstreckt sich nördlich der georgischen Stadt Gori bis zur Grenze der Region Südossetien, die völkerrechtlich zu Georgien gehört, aber unter internationalem Protest von Russland als unabhängig anerkannt wurde. Munz, der bereits 30 Kriseneinsätze weltweit absolviert hat, schilderte die starken Zerstörungen in der Zone. Viele Häuser seien unbewohnbar. "Je näher man der südossetischen Hauptstadt Zchinwali kommt, desto deutlicher werden die Kriegsschäden." Es gebe immer wieder Berichte von Bewohnern über Banditen und marodierende Kriminelle.

"Die russischen Soldaten verhalten sich professionell"

Die russischen Soldaten hätten mit Patrouillen in der Pufferzone begonnen, nachdem es Meldungen über Plünderungen und Übergriffe auf die Bevölkerung gegeben hatte. "Die russischen Soldaten verhalten sich professionell und behindern uns nicht in unserer Arbeit", sagte der 55-Jährige. Georgische Behörden und Medien hatten wiederholt den russischen und ossetischen Soldaten die Schuld an den Kriegsverbrechen gegeben. Viele Menschen in der betroffenen Pufferzone seien inzwischen erleichtert, dass es Hilfe für sie gebe.

Nach Angaben des Roten Kreuzes ist die Sicherheitslage in der Pufferzone wegen großer Mengen herumliegender Munition und Waffen weiter angespannt. Munz gehört zum IKRK-Büro in Gori mit insgesamt 17 Helfern, von denen einige täglich die russischen Checkpoints zur Pufferzone passieren. Der Marburger Arzt wird von georgischem medizinischen Personal und Dolmetschern bei der Arbeit unterstützt. (APA/dpa)

 

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