Italiener hinterließen blutige Spuren

31. August 2008, 15:18
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Nordafrikanischer Staat wurde 1911 dem Osmanischen Reich entrissen

Rom - Kurz vor dem Ersten Weltkrieg annektierte Italien vom Osmanischen Reich die Küstenstriche an der Nordküste Afrikas, die heute im wesentlichen die islamisch-sozialistische Volksrepublik Libyen bilden. Seit dem 16. Jahrhundert hatten die Osmanen die historischen Landesteile Tripolitanien, Cyrenaika und Fessan besessen. Angesichts des Niedergangs des Osmanischen Reiches sahen die Italiener eine Chance, ihre im Vergleich zu anderen europäischen Staaten geringen kolonialen Besitzungen auszuweiten. Am 5. November 1911 erklärte Italien dem Osmanischen Reich den Krieg, Ende Oktober 1912 war der Krieg entschieden.

Faschismus

Unter dem Faschistenführer Benito Mussolini, als die Italiener auch nach Äthiopien vordrangen, nahm die italienische Herrschaft in Libyen eine neue Gestalt an. Nun ließen sich in größerem Stil italienische Siedler in dem nordafrikanischen Land nieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde Libyen zum Schauplatz des sogenannten "Wüstenkriegs", in dem sich alliierte Truppen unter dem britischen General Bernard L. Montgomery sowie Italiener und das deutsche Afrikakorps unter Erwin Rommel gegenüberstanden.

Die Italiener hinterließen in Libyen blutige Spuren: Gleich zu Beginn der Besetzung deportierten sie 400 libysche Widerstandskämpfer auf die Tremiti-Inseln in der italienischen Adria in der Region Apulien, wo sie unter kärglichsten Bedingungen vegetierten, einer Epidemie zum Opfer fielen und in einem Massengrab verscharrt wurden. Daran erinnert inzwischen ein Mausoleum auf der Insel San Nicola, das im Oktober 2006 eingeweiht wurde.

Widerstand

Zwischen 1911 und 1932 wurden von den Italienern schätzungsweise 20.000 Libyer unter dem Vorwurf der "Kollaboration" mit Widerstandsgruppen zum Tode verurteilt und hingerichtet. In den 30er Jahren wurden zudem rund 100.000 Bewohner der Cyrenaika in Wüstenlager deportiert, wo 40.000 von ihnen umkamen. Die Truppen Mussolinis setzten gegen Zivilisten Giftgas ein und verminten die Grenze nach Ägypten. Die Schreckensherrschaft endete mit dem Sieg der Weltkriegsalliierten, Libyen wurde bis zu seiner Unabhängigkeit britisches UN-Protektorat (1943-1951). (APA)

 

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