England: Tote bei Brand von Millionärsvilla identifiziert

31. August 2008, 19:32
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Brand gelegt, Millionärsgattin starb durch Kopfschuss, Spekulation um Motiv

London/Maesbrook - "Wir sind schockiert und verwirrt." Mit diesen Worten sprach der Dorfpfarrer von Maesbrook (Grafschaft Shropshire) vielen Briten aus der Seele. Seit am Dienstag die ersten Bilder von dem ausgebrannten Herrenhaus Osbaston House im Fernsehen gezeigt wurden, rätselt die Nation über die Hintergründe der Brandstiftung und das Schicksal der Familie Foster, die das Anwesen bewohnt hatte.

Nur eines ist bis dato klar: Bei einer der verkohlten Leichen, die unter den rauchenden Trümmern gefunden wurden, handelt es sich um die 49-jährige Jillian Foster, die durch einen Kopfschuss getötet worden war. Die zweite Leiche ist männlich. Ob es sich um den Besitzer, den 50-jährigen Geschäftsmann Christopher Foster, handelt, war vorerst unklar, ebenso der Verbleib von Tochter Kirstie (15).

Eine 80-köpfige Sonderkommission der Kripo rekonstruierte: Am Montag war die Familie zum Grillen bei Freunden im Ort gewesen und hatte sich bei Einbruch der Dunkelheit verabschiedet. Kirstie chattete bis ein Uhr mit Freunden im Internet. Dann brach die Verbindung plötzlich ab.

Gegen vier Uhr ging das gesamte Anwesen in Flammen auf. Im Stall fand die Feuerwehr die drei Pferde: Sie waren mit gezielten Schüssen getötet worden, ebenso wie die Hühner, Enten und Hunde der Familie. Vieles deutet darauf hin, dass Fosters Ex-Buchhalter recht behält. "Ich fürchte, Foster ist ausgerastet", sagte Terence Baines. "Der Druck, der auf ihm lastete, muss sehr hoch gewesen sein."

Tatsächlich war Christopher Foster pleite. Der Besitzer einer Firma für Leitungsdämmstoffe hatte es zum Millionär gebracht. Doch schon seit längerem passten Lebensstil und Firmengewinn nicht mehr zusammen, die Nachfragen von Steuerbehörde und Gläubigern wurden immer dringlicher. Foster stand die Zwangsversteigerung seines Besitzes bevor. Freunden soll er anvertraut haben: "Mir steht das Wasser bis zum Hals."

Den Angehörigen bleibt wenig Hoffnung. "Wir sind am Boden zerstört", sagt Fosters Schwester Anne Giddings. "So etwas passiert doch sonst nur im Fernsehen." (Sebastian Borger, DER STANDARD - Printausgabe, 1. September 2008)

  • Osbaston House brannte völlig aus, Forensiker suchen nach dem Grund.
    Foto: APA/EPA/LAWRENCE LOOI

    Osbaston House brannte völlig aus, Forensiker suchen nach dem Grund.

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