Fusion Dresdner Bank-Commerzbank kostet 9.000 Stellen

30. August 2008, 16:15
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Laut Bericht der Tageszeitung "Die Welt" - Offenbar Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen - Aufsichtsräte tagen am Sonntag

Frankfurt/Main - Eine Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank würde nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" rund 9.000 Arbeitsplätze kosten. Die Commerzbank wolle aber weitgehend auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, berichtete das Blatt. Der geplante Stellenabbau solle schonend erfolgen, beispielsweise durch Altersteilzeitregelungen und natürliche Fluktuation.

Der Allianz-Konzern hatte am Freitag "fortgeschrittene Gespräche zur weiteren Entwicklung der Dresdner Bank" bestätigt. Ob diese Gespräche aber auch zu einem Abschluss führen würden, sei noch offen. Nach Angaben von Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ist keine Entscheidung gefallen: "Es gibt noch kein Ergebnis", sagte Müller dem Hörfunksender HR Info. Zugleich betonte er, dass die Commerzbank finanziell in der Lage sei, die Dresdner Bank zu übernehmen: "Der Vorstand der Commerzbank würde keine Verhandlungen führen, von denen er glauben muss, dass er sie nicht finanzieren kann."

Fusion beschlossene Sache

Medienberichten zufolge soll die Fusion auf der Chefetage bereits beschlossene Sache sein. Die ebenfalls als Interessent gehandelte China Development Bank sei aus dem Spiel. Am (morgigen) Sonntag treffen die Aufsichtsräte der Dresdner-Bank-Mutter Allianz und der Commerzbank zu außerordentlichen Sitzungen zusammen.

Die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten von Commerzbank und Allianz wollen der Fusion nur zustimmen, wenn die Arbeitsplätze weitestgehend gesichert werden. Man erwarte bis zu den Aufsichtsratssitzungen am Sonntag "konkrete Zusagen zur Standortsicherung", sagte Uwe Foullong, Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di und Commerzbank-Aufsichtsrat, dem Berliner "Tagesspiegel". ver.di fürchtet, dass bei der Fusion mindestens 10.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Die Commerzbank hat derzeit 41.622 Mitarbeiter und die Dresdner Bank 25.362 Beschäftigte.

London und Frankfurt betroffen

Von den Streichungen im Fall einer Übernahme wären laut "Welt" vor allem Investmentbanker in London sowie die Frankfurter Bankzentralen betroffen. Ein Großteil würde in den Verwaltungsabteilungen und der Abwicklung wegfallen. Weniger stark betroffen wären die Filialen der Banken. In den insgesamt 1.800 Geschäftsstellen seien "deutlich weniger als 3.000 Stellen" gefährdet, zitierte das Blatt seine ungenannte Quelle.

Falls der Zusammenschluss beschlossen wird, vereinen sich zwei Schwergewichte unter den deutschen Privatbanken. Die Commerzbank kam im Jahr 2007 auf eine Bilanzsumme von gut 616 Milliarden Euro, die Dresdner Bank auf 500 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden läge im Falles einer Vereinigung der beiden traditionsreichen Banken bei 14 Millionen. Die Dresdner Bank brächte rund 1.080 Filialen in die Banken-Ehe mit ein, bei der Commerzbank sind es etwa 750.

Zum Vergleich: Branchenprimus Deutsche Bank kann eine Bilanzsumme von 2,02 Billionen Euro vorweisen, zählt weltweit mehr als 80.000 Beschäftigte und 13,8 Millionen Kunden. (APA/AP)

 

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