"Ich bleibe hier, bis Samak weg ist"

31. August 2008, 17:30
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Die thailändische Regierung steht unter Druck: seit Tagen verlangen Demonstranten den Rücktritt von Premier Samak Sundaravej - Der lehnt ab

Khun Kanaporn hat es sich im Park vor dem Amtssitz des Premierministers Samak Sundaravej in Bangkok bequem gemacht. Alles ist da, was man für einen längeren Aufenthalt braucht: Gratiswasser, Reis und scharfes Curry auf Bananenblättern, außerdem Regenschirme, Sonnenschutz und andere praktische Dinge, damit Demonstranten sich "sabai sabai", also gut fühlen.

Schon vor drei Monaten ist die Geschäftsfrau Kanaporn, die mit ihrem Mann eine Dachdeckerei betreibt, aus der Provinz angereist, um die von der „Volksallianz" - ein loses Bündnis aus Regierungskritikern - organisierten Proteste zu unterstützen. Sie wedelt sich frische Luft mit einem Strohfächer zu und erzählt: „Meine drei Kinder sind bei meiner Mutter. Und ich bleibe hier, bis Premier Samak weg ist!" Ihr Mann nickt dazu in seinem Campingstuhl. Doch der Premier denkt nicht daran, seinen Sessel zu räumen. Sein Amtsgebäude kann er allerdings auch nicht betreten. Die rund 3000 Belagerer würden ihn auch nicht durchlassen.

Plastikhände zum Klatschen

Es ist ein Kommen und Gehen. Familien mit Kindern, allesamt in Gelb gewandet als Zeichen der Ehrerbietung für König Bhumibol, tauchen an diesem Sonntagnachmittag auf, bereiten sich am Boden ein Lager. Jung und Alt schlafen unter Planen, die sie vor der Sonne schützen. Fernseher wurden aufgebaut, damit die Reden und Parolen gehört werden können. "Und ich sage es noch einmal: Diese Regierung muss weg!", tönt es von der Tribüne her. Dort geben sich die Führer der Volksallianz Stunde um Stunde ein Stelldichein. Schließlich müssen die Demonstranten bei Laune gehalten werden. „Ich sage: Es ist genug!", brüllt einer, und als Antwort lassen die Massen zu seinen Füßen ein Klappern ertönen. Findige Geschäftsleute haben Plastikhände verkauft, die, wenn man sie aneinanderschlägt, ein klapperndes Geräusch machen.

Superkorruption

Das Feindbild für die Menschen auf dem Rasen des Premierministers ist der Premierminister selbst. "Wir haben in Thailand nicht 'normale' Korruption", ereifert sich ein Mann in einem Mischmasch aus Thai und Englisch, "wir haben hier Superkorruption!" Wieder klappern die Plastikhände.
Was sich Beobachtern als freundliches Volksfest präsentiert, wird außerhalb des Zaunes mit gemischten Gefühlen betrachtet. Taxifahrer sind entsetzt, wenn man als Fahrtziel die Ratchadamnoen Straße, an der der Regierungssitz liegt, angibt: "Zum Mob wollen Sie?" Nein, da fahre er nicht hin, das sei zu gefährlich.

Dass die Demonstranten nicht nur friedlich agieren, haben sie in den letzten Tagen schon bewiesen. Praktisch jeder und jede hält einen Golfschläger oder eine Steinschleuder zur Selbstverteidigung parat - und zeigt die Waffen stolz her. Die Polizei ist in 200 Metern Entfernung bloß mit ein paar Wagen präsent.  (Andrea Waldbrunner aus Bangkok, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2008)

  • Solidarität zwischen Polizei und Demonstranten in Bangkok, wie schon bei den Protesten 2006.
    foto: epa/rolex dela pena

    Solidarität zwischen Polizei und Demonstranten in Bangkok, wie schon bei den Protesten 2006.

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