Zwischenbericht über Datenmissbrauch bei Deutsche Telekom vorgelegt

29. August 2008, 22:31
posten

Er soll nach dem Willen des Aufsichtsrats aber nicht veröffentlicht werden

Zur Aufsichtsratssitzung der Deutschen Telekom am Freitag hat die Kanzlei Oppenhoff & Partner ihren Zwischenbericht mit den Ergebnissen der Überprüfung der Vorwürfe missbräuchlicher Nutzung von Telefon-Verbindungsdaten vorgelegt. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, den Zwischenbericht nicht zu veröffentlichen, wie die Telekom mitteilte.

Vollständige Aufklärung

Zur Begründung hieß es, eine vollständige Aufklärung des Sachverhalts sei erst in Kenntnis der Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft möglich. Die Telekom hatte Mitte Mai bei der Staatsanwaltschaft Bonn praktisch Selbstanzeige erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass in den Jahren 2005 und 2006 Journalisten, Aufsichtsräte und möglicherweise auch Vorstandsmitglieder bespitzelt wurden. Durch Abgleich von Telefon-Verbindungsdaten sollte eine beauftragte Berliner Beratungsfirma ermitteln, wo die undichte Stelle im Unternehmen war, durch die sensible Informationen an die Medien sickerten.

Prüfbericht

Der Prüfbericht befasst sich der Mitteilung zufolge vorrangig mit der früheren Organisation der Sicherheitsabteilung der Telekom und enthält Vorschläge zur Verbesserung der Organisation und Struktur. Der Vorstand werde darüber befinden, welche Konsequenzen aus dem Bericht und den Vorschlägen gezogen werden, hieß es weiter. Michael Oppenhoff, Partner der Kanzlei, erklärte: "Zwar genügte die Organisation des Sicherheitsbereiches im untersuchten Zeitraum bis Ende 2006 durchschnittlichen Anforderungen, wies aber deutlich zu wenig Schutzmechanismen gegen regelwidriges Verhalten von Mitarbeitern auf." Seither sei sie ständig verbessert worden.

Wichtiger Baustein

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Schröder bezeichnete das Oppenhoff-Papier als ersten wichtigen Baustein beim Schutz vor einer Wiederholung des Skandals. "Wir, die Arbeitnehmervertreter fühlen uns in Gänze als potenziell Betroffene, die damit rechnen müssen, bespitzelt worden zu sein. Wir hoffen in dieser Hinsicht auf baldige Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen", wird Schröder zitiert. Der frühere Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof, Gerhard Schäfer, soll als unabhängiger Experte über den Bereich der Sicherheitsabteilung hinaus alle relevanten Datensicherheitsaspekte im Hinblick auf die Vorwürfe zum Missbrauch von Daten prüfen und gegebenenfalls ein neues Datensicherheits-konzept für den Konzern erarbeiten.

 

Nach Besprechung des Berichts im Aufsichtsrat hat sich der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann im Namen des Unternehmens beim Vorsitzenden des Konzernbetriebsrates und Mitglied des Aufsichtsrates, Wilhelm Wegner, für die missbräuchliche Nutzung von Verbindungsdaten entschuldigt. Wegner habe die Entschuldigung angenommen, teilte das Unternehmen weiter mit.(APA/AP)

Share if you care.