Neue Vignette nur für Bregenz

29. August 2008, 19:48
3 Postings

Ab Montag, null Uhr, hat Bregenz seine Mautausnahme - Rechtzeitig vor der Wahl wird das SPÖ-Versprechen eingelöst - Die billige Korridorvignette auf 23 Kilometern der A14 soll Bregenz vom Transitverkehr entlasten

Bregenz - Picksüß ist der Müsliriegel, mit dem die Asfinag für ihr "neues maßgeschneidertes Vignettenprodukt" wirbt. Zartbitter würde eher der Stimmung der Asfinag-Manager und Landes-Verkehrsplaner entsprechen. Denn die Entscheidung für die Bregenzer Ausnahmeregelung ist weder eine ökonomische, noch eine verkehrsplanerische, sondern eine politische. Daran ließen Walter Riepler und Dietmar Kappl von der Asfinag Maut Service GmbH bei der Präsentation ebenso wenig Zweifel wie Landes-Verkehrsplaner Christian Rankl. Riepler: "Es war keine kaufmännische Entscheidung."

Das Zuckerl, von Kanzler Gusenbauer und Verkehrsminister Faymann Anfang 2007 als Einstand für den neuen Vorarlberger SP-Chef Michael Ritsch versprochen, wird vor allem jenen schmecken, die sich die Mautausgaben auf dem Transit von Deutschland in den Süden sparen wollen. Für zwei Euro (ein Weg) kommen sie günstig von der deutschen zur Schweizer Grenze und umgekehrt. Erwerben können sie die Vignetten für den 23 Kilometer langen Korridor an acht Automaten an der Autobahn oder korridornahen Tankstellen und Kiosken.

"Keine wirkliche Freude" hat die Asfinag mit dem neuen Produkt, sagt Walter Riepler zum Standard. Man rechne mit jährlichen Mindereinnahmen von "mindestens einer Million Euro". Dazu kommen pro Jahr 200.000 Euro Betriebskosten. Projektkosten bisher: 2,5 Millionen Euro.

Eine Begleitstudie des Landes, die mit den Schweizer Nachbarn koordiniert wird, soll über Wirkung und Nebenwirkung der Korridorvignette Aufschluss geben. Bewahrheitet sich, was die Bregenzer Nachbargemeinden fürchten, nämlich zusätzliche Verkehrsbelastung, wird der Versuch 2010, rechtzeitig zu den Gemeindewahlen, wieder abgebrochen.

Derzeit fahren täglich durchschnittlich 22.500 Fahrzeuge durch Bregenz, an Spitzentagen 28.000. 20 bis 40 Prozent davon sind "Mautflüchtlinge". Sich durch die Korridorlösung eine Entlastung in der gleichen Höhe zu erwarten, sei "utopisch", sagt Verkehrsplaner Rankl. Konkrete Zahlen zur Mehrbelastung oder Entlastung wollten weder Rankl noch die Asfinag-Manager nennen. Die zu berechnen sei "sehr schwer."

Auch wenn der Korridorversuch nicht bereits 2010 wegen Erfolglosigkeit abgebrochen wird, ist seine Lebensdauer eine kurze. Denn 2013, wenn die zweite Pfänder-Tunnelröhre fertig ist, gelten auch für Bregenz wieder die bundesweiten Vignettenregeln. (Jutta Berger, Der Standard Print-Ausgabe, 30./31.08.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.