Zechpreller USA

29. August 2008, 19:34
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Moral ist weder in der Politik noch in der Wirtschaft eine Kategorie, das führen die USA derzeit deutlich vor Augen

Moral ist weder in der Politik noch in der Wirtschaft eine Kategorie, das führen die USA derzeit deutlich vor Augen. Erst wurde die Weltwirtschaft mit amerikanischen Ramsch-Kreditpapieren überschüttet und mit dem Platzen der Immobilienblase erschüttert. Dann versetzte Washington den globalen Wettbewerbern mit der Anfeuerung der Dollar-Abwertung einen weiteren Dämpfer.

Während der Euroraum und andere Regionen unter dem schwachen Greenback leiden, boomen die US-Ausfuhren. Die Exporte sorgen dafür, dass die Vereinigten Staaten bisher weit besser durch die Krise steuerten als Europa. Das große Fragezeichen bleibt der private Konsum. Die Verbraucher haben sich ihre Shoppingtouren trotz massenhafter Jobverluste und Zwangsversteigerungen ihrer Häuser nicht so recht vermiesen lassen. Dass die Regierung mit Steuerschecks das Füllhorn ausgeschüttet hat, dürfte dazu beigetragen haben. Die Gefahr, dass dieser Effekt rasch verpufft, ist freilich groß. Im Juni und Juli war der private Konsum schon leicht negativ.

Doch es würde nicht überraschen, sollten die USA wieder einmal rascher aus der Flaute segeln als Europa. Die Anzeichen einer Bodenbildung am geprügelten Häusermarkt und die erwähnte Belebung der Ausfuhren deuten bereits darauf hin. Flexibilität am Arbeitsmarkt - bei uns als "hire and fire" verschrien - sowie in der Fiskal- und Geldpolitik beflügelt die wirtschaftliche Erholung. Über die Zechprellerei mag man berechtigterweise die Nase rümpfen. Den USA kann das herzlich egal sein, solange die Rechnung immer brav von anderen gezahlt wird. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.8.2008)

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