Belgien: Atom-Störfall der Stufe drei

29. August 2008, 19:25
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In einem Atom-Labor in der Nähe von Brüssel ereignete sich am Montag ein Unfall. Die belgische Behörde für Nuklearkontrolle spricht vom bisher schlimmsten Zwischenfall in Belgien - Das Institut gibt Entwarnung

Brüssel/Wien - Vier Tage nach einem Zwischenfall in dem Atomforschungslabor "Institut des Radioéléments" (IRE) im belgischen Ort Fleurus, etwa zwanzig Kilometer von Brüssel entfernt, zeigt sich die Bevölkerung besorgt.

Beim Umfüllen eines Tankes wurden am Montag geringe Mengen von Jod über das Abluftsystem des Labors freigesetzt. Doch erst am Donnerstag wurde eine erhöhte Radioaktivität in der Umgebung festgestellt. Und die Proben haben ergeben, dass der Anteil an radioaktiver Strahlung doch weit höher war als zunächst angenommen. Der Ausstoß von radioaktivem Material war zwar sehr gering, doch da er sich über den Zeitraum von einigen Tagen erstreckte, stiegen die Werte stetig an.

"Es besteht dennoch keine Gefahr für die Bevölkerung", versichert Karina de Beule, Pressesprecherin der belgischen Behörde für Nuklearkontrolle (AFCN) dem Standard. Man lege den Anrainern im Umkreis von fünf Kilometer zwar nahe, in den nächsten Tagen auf frische lokal produzierte Lebensmittel zu verzichten, ein akutes Kontaminationsrisiko bestehe jedoch nicht. Obwohl der radioaktive Ausstoß beendet wurde, bleibt das Institut in Fleurus weiterhin geschlossen, bis es wieder voll funktionsfähig ist und keinerlei Gefahr für die Bevölkerung besteht, so de Beule. Drei weitere Proben wurden mittlerweile entnommen, die AFCN erwartet aber keine erhöhten Werte mehr.

Dennoch bewertet die AFCN die Freisetzung des Jods am Montag als den schlimmsten radioaktiven Zwischenfall in der belgischen Geschichte und bewertete ihn auf der siebenstelligen Richterskala der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) als ernsten Störfall der Stufe drei.

"Bei dem ausgestrahlten Jod handelt es sich um ein sehr kurzlebiges radioaktives Material", entwarnt Ayan Evrensel, Sprecher der IAEO in Wien. In freier Umgebung könne es höchstens acht Tage gefährlich sein, erklärt Evrensel dem Standard. Am Mittwoch benachrichtigten die belgischen Behörden die IAEO über den Vorfall, obwohl für Kernsicherheit und Strahlenschutz, wie Evrensel betont, grundsätzlich die Mitgliedstaaten zuständig sind. Die Internationale Atomenergiebehörde habe deshalb nicht das Mandat, Informationen zu verlangen, außer es droht eine grenzüberschreitende Gefahr. "Das war hier aber nicht der Fall", so Evrensel. (Valérie Michiels, Der Standard Print-Ausgabe, 30./31.08.2008)

 

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