Kopf des Tages: Eine Jägerin kämpft mit John McCain

29. August 2008, 19:26
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Sarah Palin ist die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin

Der Privatjet aus Alaska landet auf einem kleinen Flugfeld 25 Meilen von Dayton, Ohio. Eine Frau und zwei Teenager steigen aus, weiße Vans fahren vor, der Konvoi rauscht ab. Sarah Palins Ankunft auf der Wahlkampfbühne gestaltete sich einigermaßen geheimnisvoll. Viele große Namen waren als Vizepräsidentschaftskandidaten für John McCain gehandelt worden. Sie blieb weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit. Seit Freitag ist sie auf dem republikanischen Ticket für die Reise ins Weiße Haus.

Palin (44) ist seit 2006 Gouverneurin von Alaska. Sie gilt als äußerst konservativ, in Steuer- wie in Sozialfragen. Das Recht auf Abtreibung sowie die Homoehe lehnt sie ab, das Budget Alaskas hat sie 2007 empfindlich gekürzt. Ihrer Beliebtheit hat das nicht geschadet, genauso wenig wie Vorwürfe, ihr Büro habe sich dafür stark gemacht, den Ex-Mann ihrer Schwester aus dem Staatsdienst zu entlassen. Wegen des Falles läuft eine Untersuchung. Ihre Zustimmungsraten lagen zuletzt bei beachtlichen 80 Prozent.

Die Gouverneurin hat eine farbige Vita vorzuweisen: Geboren in Idaho, übersiedelte sie mit ihrer Familie als Kind nach Alaska. Sie fährt Motorschlitten, fischt, jagt und ist Mitglied der National Rifle Association. Sie gewann diverse Miss-Wahlen und studierte Journalismus. Sie gab zu, einmal Marihuana geraucht zu haben. Es habe ihr nicht geschmeckt. Verheiratet ist sie mit dem BP-Mitarbeiter Todd Palin, mit ihm hat sie fünf Kinder. Das jüngste ist erst vier Monate alt und hat Down-Syndrom, der älteste Sohn ist 18 und hat sich unlängst in die U.S. Army eingeschrieben. Ihre politische Karriere begann sie als Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt Wasilla, wo sie umgehend ihr Gehalt und die Steuern kürzte.

Mit ihrer Nominierung wollen die republikanischen Strategen enttäuschte Demokratinnen (Hillary Clinton) abwerben, meinen Experten. Sie solle auch konservative Kernschichten ansprechen, mit denen sich John McCain schwertut. Die Republikaner würden zudem versuchen, sie als Reformerin gegen Obama in Stellung zu bringen, als eine Art junge Version von John McCain. Andere wieder geben ihre Unerfahrenheit zu bedenken und den Umstand, dass sie am 72. Geburtstag McCains ausgewählt wurde. Was, wenn sie ihm nachfolgen muss?

Palin selber sagte, vor Monaten auf die Vizepräsidentschaft angesprochen: "Das ehrt mich, aber daran denke ich nicht. Sicher aber ist, dass Gouverneurserfahrung nach Washington gehört." (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2008)

 

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