Krimi: Hunde und Basilikum

29. August 2008, 18:45
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Bruno Morchios "Wölfe in Genua"

Eine schöne Immigrantin schnappt sich einen alten reichen Mann. Der wird auf bizarre Weise ermordet: Man hat ihm bei einem nächtlichen Spaziergang aufgelauert und einen Wolf auf ihn gehetzt. Die hohe Lebensversicherung wird die Femme fatale kassieren, die neben ihrem alten Ehemann auch noch einen jungen Geliebten hatte, und der züchtet Hunde. Ganz klar, die Witwe ist die Mörderin oder zumindest die Auftraggeberin. Die Versicherungsgesellschaft will ihr Geld behalten und heuert Bacci Pagano an, den Genueser Privatdetektiv mit Hang zur klassischen Musik und gutem Essen, der schon in fünf Romanen von Bruno Morchio sein Wesen treibt.

Die Atmosphäre der Stadt Genua mit ihren labyrinthischen Immigrantenvierteln, verfallenden Häusern und dem Denkmal für Kolumbus bildet den Hintergrund für eine nachdenkliche Geschichte. In der Hommage an die Altstadt, wo Einwanderer und alteingesessene Reiche nicht separiert sind, sondern neben- und übereinander wohnen, und es den Immobilienhaien noch nicht gelungen ist, soziale Ghettos zu produzieren, spürt man die Liebe des Autors zu seiner Stadt. Während der Alt-68er-Pagano in Genua und im Umland nach Spuren sucht, singt er das Loblied auf die versteckten Trattorien, in denen man hervorragend völlern kann. Morchio, der nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Psychologe werkt, nennt als Vorbilder Montalban, Izzo und Chandler, was im Falle des betreffenden Krimis keine schlechte Mischung ergibt. (Ingeborg Sperl, ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 30.08.2008)

Bruno Morchio, "Wölfe in Genua". Deutsch: Ingrid Ickler. € 17,40 / 277 S. Unionsverlag, Zürich 2008

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