Industrie als Sponsor des Dritten Lagers

29. August 2008, 18:49
134 Postings

Die FPÖ konnte immer wieder auf Unterstützung aus der Industrie zählen. Mit dem neuen Parteichef Strache tun sich viele aber schwer

Wien - Österreichweit bekannte Namen finden sich nicht mehr im Bundesvorstand des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender. Früher war auch ein Georg Mautner Markhof beim RFW, doch das "Ehrenmitglied" ist im Mai 2008 im 82. Lebensjahr verstorben. Heute stehen bei den FP-Unternehmern der Vorarlberger Fritz Amann, Geschäftsführer der Automatisierungstechnikfirma Protec, sowie der Hotelier und Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim, Matthias Krenn, an der Spitze.

In der öffentlichen Wirtschaft gibt es nur mehr wenige Blaue als Chefs, die unter der Zeit der Mitregierung der FPÖ auf ihre Posten gehievt wurden - etwa Arnold Schiefer und Gilbert Trattner in der ÖBB. Das Forschungszentrum Seibersdorf war zeitweise Tummelplatz freiheitlicher Burschenschafter. Diese Zeit ist aber auch vorbei, seit der SP-nahe Industrielle Hannes Androsch dort den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hat.

Zur Zeit des freiheitlichen Aufstiegs in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre war die blaue Wirtschaftspolitik untrennbar mit einem Namen verbunden: Thomas Prinzhorn. Der schwerreiche Papierindustrielle war seit 1996 für die Freiheitlichen im Parlament, überwarf sich dann mit Haider, um 1999 doch als Spitzenkandidat anzutreten. Nach dem Wahltriumph (die FPÖ wurde mit 27 Prozent der Stimmen vor der ÖVP zweitstärkste Kraft im Land) war ihm aber kein Ministeramt beschieden, denn der damalige Bundespräsident Thomas Klestil lehnte Prinzhorn als Finanzminister in der Regierung Schüssel I wegen umstrittener Äußerungen ab. Stattdessen wurde Prinzhorn zuerst Zweiter, nach 2002 Dritter Nationalratspräsident, zog aber weiter die Fäden. So galt Kurzzeit-Infrastrukturministerin Monika Forstinger, von der nicht mehr blieb als der berühmte "Stöckelschuh-Erlass", als Prinzhorn-Erfindung.

"Total angefressen auf die Politik"

Nach der Wahl im Oktober 2006 verließ er die politische Bühne, Gerüchte über eine Krankheit wurden laut. Doch er führt die Hamburger-Mosburger-Dunapack-Gruppe (sie basiert teilweise auf "Arisierungen" unter der NS-Herrschaft) nach wie vor, gemeinsam mit seinen Söhnen. Jemand, der den heute 65-jährigen Prinzhorn gut kennt, sagt zum STANDARD: "Ich war mit ihm vor zehn Tagen auf dem Berg, er hat uns alle abgehängt." Der Freund sagt auch: "Er ist aber auch total angefressen auf die Politik."

Die Industrie galt immer als Sponsor des Dritten Lagers in Österreich, auch deswegen, weil in den Aufsichtsorganen diverser Prinzhorn-Firmen einschlägig zuordenbare Namen zu finden waren und zu finden sind: ÖIAG-Aufsichtsratschef Peter Mitterbauer (Miba-Gruppe, Oberösterreich) ist Mitglied des Aufsichtsrats der Holding, der Industrielle Cornelius Grupp ist Vorstand der Prinzhorn-Privatstiftung (u. a. Eigentümer der vor dem Aus stehenden Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten), Prinzhorns Sohn Gerald sitzt dagegen beispielsweise im Aufsichtsrat der Heinzel Holding, der Firma von Alfred Heinzel, der wiederum ÖIAG-Aufsichtsratchef unter Schwarz-Blau war.

Heinzel, vom STANDARD auf die Connection angesprochen, bestreitet den politischen Zusammenhang. "Unsere Familien kennen einander seit Jahrzehnten." Im Übrigen sei es "für einen Industriellen nicht gut, wenn er zu eng mit einer politischen Partei verbunden ist, denn er muss mit allen können". Sich selbst bezeichnet der Zellstoff- und Papierindustrielle als "klassischen Wechselwähler".

Nicht mit den Radikalinskis

Nachdem die Gönner der FPÖ wie Prinzhorn sich nach der Wende von der Wende 2006 zumindest offiziell wieder von den Blauen abgewendet hatten, musste der neue Parteichef Heinz-Christian Strache die Finanzen sanieren. Die Industrie bekam unter Schwarz-Blau großzügige "Geschenke" - Stichwort: Gruppenbesteuerung - und war zumindest mit dem ersten Teil des Experimentes von Wolfgang Schüssel höchst zufrieden. Mit den Radikalinskis um Strache wollen sich die honorigen Herren nicht mehr in Verbindung bringen lassen, zumindest nicht öffentlich.

Strache will, so vernimmt man in blauen Kreisen, trotz "Kleiner Mann" -Rhetorik auch den Akademikeranteil in der FPÖ wieder anheben. Nach wie vor gilt etwa die Montanuniversität Leoben als Reservoir für junge Freiheitliche mit Studium. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.8.2008)

Share if you care.