Große Gefühle im Emotiotop

29. August 2008, 17:46
1 Posting

"Verluste - eine Geschichte" von Gunkl in der Kulisse

Wien - Gunkl, die menschliche Handpuppe des Alltagsphänomenanalysten Günther Paal, hat noch nie den Raum zu erobern versucht: Die Füße scheinbar auf der Bühne festgenagelt, bewegt jene nur die Arme. Und plappert dazu ohne Unterlass. Beziehungsweise: Sie kommentiert mit schelmischem Blick unzusammenhängende Begebenheiten, die sich dann doch zu einer komplexen Geschichte fügen.

Eine solche lässt Paal die Puppe Gunkl auch in seinem neunten Programm Verluste erzählen, das am Donnerstag in der Kulisse präsentiert wurde. Es dreht sich mehr oder weniger um die Frage, wie das ist, wenn man die Unschuld verliert - und erwachsen wird. Was Gunkl also "spitzfindig" aufbereitet, liegt für ihn schon Jahrzehnte zurück. Weil sich aber im Prinzip nichts ändert - im Zustand der Verliebtheit hat das "Bedenkenzentrum" im Gehirn Urlaub - ist die Ich-Erzählung über Freundschaften, das Scheitern und große Gefühle ohnedies immer aktuell.

Das furiose, die Längen zuvor fast vergessen machende Finale gerät sogar sentimental. Obwohl doch große Gefühle nicht so sehr die Sache Gunkls sind: Sie treffen sich in dessen "Emotiotop" eigentlich nie, glauben vielmehr, sie seien Einzelkinder. "Die wissen gar nicht, dass es noch andere große Gefühle gibt" , stellt er trocken fest.

Natürlich betätigt sich Gunkl wieder als verquer denkender Kabarettphilosoph. In der Jugend bastelt man sich mit wenigen Erfahrungen ein Weltbild, das sich aber nicht aufrechterhalten lässt, weil die Welt eben doch ein wenig komplizierter ist. Gegen Lebensende hin denkt man sich die Welt dann wieder viel einfacher: Man reduziert sie, so Gunkl treffend, auf das, was man von ihr verstanden hat.

Derartige Gedankenflüge sind leider selten: Mit Verluste bleibt Paal etwas unter seinem Niveau. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 30./31.08.2008)

Share if you care.