Schönklang-Dienst nach Vorschrift

29. August 2008, 17:45
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Die Wiener Philharmoniker mit Esa-Pekka Salonen im Großen Festspielhaus

Salzburg - Ohne Sponsoren wären sie keinesfalls nichts. Sie wären jedoch viel weniger, die Salzburger Festspiele. Dies festzustellen ist der Präsidentin immer wieder ein Anliegen. Immerhin aber, wenn sich ein Sponsor in Form von eingeladenen Promis in den Vordergrund drängt, Aufmerksamkeit abzieht und für eine erhebliche Konzertverspätung sorgt, dann wird es auch ihr zu viel. Helga Rabl-Stadler wird also ein ernstes Gespräch mit Montblanc führen.

Denn beim Finalkonzert des Young Singers Project hat sich dieser Sponsor durch den inszenierten Auftritt von Joan Collins (TV-Serienkenner des vorigen Jahrhunderts werden sich an die Denver Clan-Böse erinnern) ein bisschen sehr ins Festivalgeschehen gemischt.

Man wird sehen, ob die kleine Aufregung zum Höhepunkt des heurigen Festivalfinales zu krönen sein wird. Man will es nicht hoffen. Es hätte aber eine gewiss ironisch-symbolträchtige Note, wenn dies so bliebe, wenn nicht die noch erwarteten Konzerte des Simón Bolívar Youth Orchestra oder das Gastspiel der Berliner Philharmoniker in stärkerer Erinnerung blieben als Joan Collins und ein auf offener Bühne mit Intendant Flimm plaudernder Firmenboss. Man wird sehen.

Emphatisches Rudern

Das Konzert der Wiener Philharmoniker mit Dirigent Esa-Pekka Salonen im Großen Festspielhaus jedenfalls wird nicht zum Vergessen des Sponsorentrubels beitragen. Klar entfalten sich hier, bei der 3. Symphonie von Gustav Mahler, in eher flotten Tempi tadellose Transparenz und Brillanz. Der Mann aus Helsinki jedoch mochte noch so emphatisch rudern; unter die Oberfläche des schillernden Werkes drang er kaum vor. Die brodelnde Unruhe des ersten Satzes fand sich nie mit der nötigen Zerklüftung des Ausdrucks angereichert. Nichts Unmittelbares, nichts Schauriges, keine markanten Kontraste wurden hörbar. Eher ein flotter Tanz durch die Ausdrucksmitte.

Friedvoll süß denn auch der zweite Satz, hell-harmlos der dritte. Und auch als Mezzosopranistin Lilli Paasikivi (mit in den Tiefe trostlos fahlen und in der Höhe doch klangvollen Tönen) erschien, wirkte alles wie ein Schönklang-Dienst nach Vorschrift, in dessen Genuss auch der Staatsopernchor und der Festspiel-Kinderchor kamen.

Ob man sich nur selbst an das Gebotene gewöhnt hatte, ob plötzlich dirigentischer Kunstwille aufwachte oder ob die Philharmoniker von sich aus Druck zu machen begannen - der letzte melancholische Satz war in seiner süßlichen Anlage dann doch von einer gewissen kurzweiligen Intensität. Allerdings mündete alles in einen finalen Bombast, nicht aber ohne zu zeigen, dass die philharmonische Bläserkondition nicht ausreichte, um bis zur letzten Konsequenz sauber und präsent zu bleiben. Das Publikum indes war schwer beeindruckt. An den Bravos war es zu bemerken. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 30./31.08.2008)

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