Alitalia beflügelt Allianzen

29. August 2008, 18:24
5 Postings

Die abgemagerte Alitalia wird sich, wie wohl die AUA, Lufthansa oder Air France-KLM als Partner anlachen. Die Deutschen verfügen über eine gute Ausgangsbasis in Italien

Alitalia wird nun kräftig zusammengestutzt.

***

Mailand/Wien - Die neue Alitalia, die sich nur um das reine Fluggeschäft kümmern wird, verhandelt mit Air France-KLM und Lufthansa über eine Partnerschaft, erklärte der neue Alitalia-Präsident Roberto Colaninno. Während Lufthansa nach wie vor der Wunschpartner der Regierung von Silvio Berlusconi ist, hat Air France-KLM bereits bestätigt, nicht nur als strategischer Partner, sondern auch als Minderheitsaktionär bei der neuen Alitalia einsteigen zu wollen. Vorerst müsse Alitalia jedoch schwarze Zahlen schreiben.

Bei einem Einstieg der Lufthansa könnte Alitalia unter ein Dach mit der AUA kommen, bei der die Deutschen ja favorisiert werden. Die Ausgangsbasis des Kranichs ist jedenfalls gut: Bereits heute ist Italien der größte Auslandsmarkt der Lufthansa in Europa. Ihr zweitwichtigster ist übrigens Österreich. Die Lufthansa ist bereits jetzt die Airline mit den meisten Geschäftsreisenden in Italien noch vor der Alitalia. Mit der Lufthansa-Töchtern Air Dolomiti, Swiss und ihrem Code-Share-Partner AirOne (wird in die neue Alitalia fusioniert) ziehen die Deutschen massiv Kunden für Europa- und Überseeflüge aus Italien ab.

Umtriebiger Kranich

Wann immer Übernahmen anstehen, fällt daher der Name Lufthansa. So wird der Konzern spätestens Mitte 2009 die Mehrheit an der britischen BMI übernehmen. Am Donnerstag wurde der Kauf von Brussels Airlines bekannt. Air France-KLM hingegen war bisher auf Alitalia angewiesen, um Passagiere aus Italien zu rekrutieren. Die Franzosen sind mit Alitalia im gleichen Bündnis Skyteam.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat ein Engagement bei Alitalia stets von einer Sanierung abhängig gemacht. Die Zeit drängt, denn im Mai bekam Alitalia einen Überbrückungskredit von 300 Mio. Euro, nachdem die Airline in den ersten drei Monaten täglich mehr als zwei Mio. Euro Verlust einflog. Heuer wird ein Minus von 805 Mio. Euro erwartet.

Flottenreduktion

Alitalia besteht nun aus zwei Teilen: der schuldenbelasteten Bad Company, die unter Konkursverwaltung gestellt wird, und der neuen Alitalia. Letztere wird vor allem ein regionaler Carrier. Laut Sanierungsplan soll die Flotte von 238 auf 153 Maschinen reduziert werden. Sie wird damit trotz Eingliederung der Air One schrumpfen. Die Italiener sollen sich auf Kurz- und Mittelstreckenflüge konzentrieren und nur noch 15 Langstrecken bedienen.

Das Frachtgeschäft wird verkauft. Alitalia soll kein Drehkreuz mehr betreiben, sondern sich auf sechs italienische Standorte konzentrieren: Rom-Fiumicino, Mailand-Malpensa, Turin, Venedig, Neapel und Catania. Die Regierung will am Montag mit den Gewerkschaften über den Abbau von bis zu 7000 Mitarbeitern reden.  (Thesy Kness-Bastaroli, Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.8.2008)

  • Die Alitalia hat den roten Teppich ausgerollt. Air France und Lufthansa, die auch nach der AUA greifen, sind in Warteposition. Bei Brussels Airlines hat der Kranich schon zugeschlagen.
    Foto: dpa; Montage: Korn

    Die Alitalia hat den roten Teppich ausgerollt. Air France und Lufthansa, die auch nach der AUA greifen, sind in Warteposition. Bei Brussels Airlines hat der Kranich schon zugeschlagen.

Share if you care.