Wie war der Urlaub?

29. August 2008, 17:37
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Schön, wollen wir hoffen – wer mit dem STANDARD in der Hand in Österreich unterwegs war, könnte allerdings ein paar Überraschungen erlebt haben. Geographie ist offenbar nicht unsere starke Seite.

Beginnen wir in St.Gilgen: Wir wurden auf die Gemeinde in Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Mondsees aufmerksam. Am vergangenen Donnerstag schrieben wir, dass sich das Land Salzburg das Gewässer angeln will und bereits einen mehrere Kilometer langen Uferstreifen bei St. Gilgen besitzt. Der Wille versetzt nicht nur Berge: St.Gilgen liegt eigentlich am Wolfgangsee.

Neun Kilometer trennen die beiden Seen, eine überschaubare Distanz. Mit Hinterstoder war das anders. In der Karte, die wir am 17. August dem Wandertipp beigegeben hatten, war der Ort ins Innviertel verpflanzt worden. Tatsächlich liegt Hinterstoder im Traunviertel. Zwischen unserer Lokalisierung und geographischer Wahrheit liegt ein schönes Stück Weg, aber es war ja schon im Titel des Artikels angekündigt: Der große Priel ist ein traumhaftes, aber mühsames Ziel. Und wieder gilt: Das Gute liegt so nah – der Irrtum auch. „Neue Studie: Kanalwasser nicht krebserregend“ eröffneten wir den Wienern am 12. August über ihren Donaukanal. Der Bericht hatte einen kleinen Haken, denn wir führten im Detail aus: „Die Routineuntersuchungen von Gewässern führt das Bundesdenkmalamt durch.“ Das war nur insofern stimmig, als den Artikel ein Bild zierte, das einen Angler vor dem Otto Wagner-Wehr in Nussdorf zeigt. Das Bundesdenkmalamt versichert mit Bestimmtheit, derartige Untersuchungen nicht vorzunehmen. Das Umweltbundesamt, das gemeint war, untersucht routinemäßig, hat mit der Gift-Causa aber nichts zu tun. Von einer Studie zu sprechen, war ohnehin etwas übertrieben. Das Wiener Rathaus stützt sich auf die Auswertung einer Stichprobe.

Wenden wir uns ab vom Wasser, widmen wir uns einer anderen an die Jahreszeit gebundenen Beschäftigung: Schwammerlsuchen. Wir fanden einen Profi, der diese schöne Beschäftigung zu seinem Beruf gemacht hat. Wirtschaftlich ist das bemerkenswert, denn er verarbeitet unserer Berichterstattung vom 12. August zufolge rund eine halbe Tonne an frischen Pilzen im Jahr und kann damit zehn Mitarbeiter beschäftigen und er setzt vier bis fünf Millionen Euro jährlich um. So viel Geld für so wenig Schwammerl? Da versteht man, warum Heerscharen in die Wälder eindringen, um Pilze zu suchen. Halbamateure aus Italien schaffen 500 Kilogramm in einer Woche. Klar, dass die armen Österreicher durch die Finger schauen.

Auch die Olympiaberichterstattung hat ja gezeigt, dass Österreichern viel weniger bleibt, als wir ihnen zutrauen. Vor Beginn der Spiele informierten wir über Jahresgagen der Sportler. Wir schrieben, dass der aus China kommende Basketballstar Yao Ming 55 Millionen Dollar im Jahr einstreift. Wir stellten die österreichische Gymnastin Caroline Weber gegenüber: 0,45 Millionen Dollar Jahresverdienst. Zusammenfassend schrieben wir: Der NBA-Star verdient halt um 54,955 Millionen mehr. So geht’s: Wenn man richtig rechnet, stellen sich 0,45 Millionen Dollar als 45.000 Euro heraus – 0,045 Millionen halt. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31. August 2008)

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