Spuren der Tortur

29. August 2008, 17:06
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Jean Amérys "Jenseits von Schuld und Sühne"

Fast zwanzig Jahre nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, 1964, "als in Frankfurt der große Auschwitz-Prozess begann" , begab sich Jean Améry an die Niederschrift des Essays Jenseits von Schuld und Sühne, den er selbst als Versuch bezeichnete, "über den Intellektuellen in Auschwitz zu sprechen" , "über die Konfrontation von Auschwitz und Geist" . Gedanken darüber, wie er, der skeptische Agnostiker und Humanist ohne Verankerung in politischem oder religiösem Glauben, die erfahrene Gewalt erlebte und verarbeitete.

In Wien geboren 1912 als Hans Maier, Sohn einer jüdischen Familie, musste Jean Améry, wie er selbst seinen Namen später veränderte, Österreich nach dem Anschluss 1938 verlassen; er floh nach Belgien. Fünf Jahre später wurde er dort als Mitglied der belgischen Résistance verhaftet - und erlitt im Lager Breendonk die Folter, die Tortur. Als "das fürchterlichste Ereignis, das der Mensch in sich aufbewahren kann" bildet die Erfahrung der "Ungeheuerlichkeit" , des unkommunizierbaren Schmerzes und der mit der Tortur einhergehende Verlust des "Weltvertrauens" durch das Fehlen jeglichen Respekts des "Gegenmenschen" vor den eigenen psychischen und physischen Grenzen das zentrale Moment in Amérys Reflexionen. In der HörEdition der Weltliteratur, hervorgegangen aus einer Lesereihe des NDR, ist der Essay nun als Hörbuch erhältlich. Gelesen dankenswerterweise von Peter Matic. (Cornelia Niedermeier, ALBUM/DER STANDARD, 30./31.08.2008)

Jean Améry, "Jenseits von Schuld und Sühne" . NDR kultur. HörEdition der Weltliteratur. 4 CDs (Gesamtspielzeit 4:07:52) und 24-seitiges Booklet. 17,10 € . Verlag Grosser&Stein, Pforzheim 2008

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