Europa: Lehman Ergebnisse belasten Börsen

12. September 2008, 15:32
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Ein Kommentar von Lukas Zeitlberger und Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Aktienmärkte mussten in dieser Woche erneut Verluste hinnehmen. Dax und EuroStoxx 50 verloren je 1,6 %. Der starke Wochenanfang, der von dem Beschluss über die Rettung der US Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac profitierte, konnte auf Wochensicht nicht gehalten werden.

Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer soll angeblich ein Auge auf Bayer geworfen haben. Die Aktie des deutschen Konzerns, der immer wieder als Kandidat für eine Übernahme gilt, kletterte daraufhin um 2,6% und zählte am Dienstag zu den Gewinnern des DAX. Doch eine Übernahme gilt unter Experten als relativ unwahrscheinlich. Grund dafür ist, dass Pfizer vor kurzem die Sparte der verschreibungsfreien Gesundheitsprodukten verkauft hat. Gerade in diesem Bereich ist Bayer aber besonders präsent.Außerdem müsste Bayer bei einem Kauf von einem reinen Pharmakonzern wahrscheinlich zerschlagen werden, da der Konzern auch im Kunststoff- und Agrochemiegeschäft vertreten ist.

Zweite Banken-Ehe innerhalb kürzester Zeit

Die Deutsche Postbank zählte in der letzten Woche mit einem Plus von 8,1 % zu den größten Gewinnern im DAX. Grund für den Kursaufschlag waren nicht zuletzt die Gerüchte über einen Einstieg durch die Deutsche Bank. Das Frankfurter Finanzinstitut ist angeblich bereit, EUR 55 pro Aktie zu zahlen und will sich mit rund 30 % an der Postbank beteiligen. Ein weiter Interessent ist die spanische Banco Santander, deren Angebot bei EUR 53 je Aktie liegen soll. Anders als die Deutsche Bank will der spanische Mitbieter das deutsche Institut komplett übernehmen. Marktstimmen rechnen damit, dass der Verkauf der Aktien noch am Freitagnachmittag vom Postbank Aufsichtsrat
beschlossen wird. In den letzten beiden Tagen bestätigten sowohl die Banco Santander als auch die Deutsche Bank offiziell ihr Interesse.

Die Wertpapiere des finnischen Telekommunikationskonzern Nokia setzten auch in den vergangenen Tagen den Trend der letzten Wochen und Monate fort. Seit Anfang April verlor die Aktie 33 % und alleine in der letzen Woche 8,9 %. Der Grund für den Verlust der Aktie dürfte der konjunkturbedingte Nachfragerückgang sein. Außerdem ist der harte Preiskampf, der voraussichtlich auch noch weiter anhalten wird, für den Marktführer ein zunehmendes Problem.

Führungswechsel bei Sanofi- Aventis

Eine überraschende Meldung kam am Mittwoch aus Paris vom Pharmakonzern Sanofi- Aventis. Chris Viehbacher übernimmt die Führung von dem bisher glücklos agierenden Gerard Le Fur. Mit dem Wechsel will der Konzern, der 2004 aus der Übernahme von Aventis durch Sanofi entstanden ist, wieder auf den Wachstumskurs zurückfinden. Vor allem mit dem Aufbau des Geschäfts in anderen Segmenten des Medizin- und Gesundheitsbereichs möchte man zur Konkurrenz aufschließen. Bisher lag die Konzentration auf Impfstoffen und Original Medikamenten. Ähnlich wie bei der Konkurrenz muss man versuchen, neue Wachstumsquellen zu finden, um das Auslaufen von Patenten zu
kompensieren. Die Anleger fassten den Führungswechsel durchwegs positiv auf, die Aktie legt 7 % zu.

In der nächsten Woche erwarten wir die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen der spanischen Inditex sowie von Pernod-Ricard. Auch der ZEW-Index könnte für Impulse sorgen.

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