USA: Nach wie vor teuer bewertet

5. September 2008, 15:26
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Börsen gehen mit herben Verlusten aus der verkürzten Handelswoche. Ausschlaggebend waren Sorgen über den Arbeitsmarkt und eine weitere Eintrübung der Weltkonjunktur. Rohstoffwerte zählten zu den größten Verlierern, der deutlich rückläufige Ölpreis ließ weitere Zweifel am Commodity-Boom aufkommen. Die Arbeitsmarktdaten sorgten am Donnerstag für die größten Tagesverluste seit 2 Monaten. So stieg die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe auf 444.000 an, zudem meldete ADP einen Abbau von 33.000 Stellen im August. Der private Konsum stieg im Juli um 0,2 %. Die persönlichen Einkommen waren 0,7 % rückläufig, die Steuergeschenke stellen sich somit als Strohfeuer heraus. Auch ein überraschend stark gestiegener ISM-Einkaufsmanagerindex konnte die Stimmung nicht heben.

Asiaten vor Einstieg bei Lehman Brothers?

Über eine mögliche Beteiligung der Korea Development Bank an Lehman Brothers wurde weiter spekuliert. Gerüchteweise wolle KDB für 25 % der Anteile bis zu USD 5,3 Mrd. zahlen. Laut Bericht der "Times" soll nun auch die japanische Mitsubishi UFJ an Lehman interessiert sein, ein  Unternehmenssprecher dementierte das Gerücht jedoch umgehend. Zudem dürfte Lehman die Quartalszahlen früher als erwartet veröffentlichen. Der Konsens geht von einem Quartalsverlust von
USD 2,28 je Aktie aus, Flüsterschätzungen rechnen mit weitaus höheren Verlusten sowie neuerlichen Abschreibungen in Milliardenhöhe. Die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac tendieren erneut schwächer.

S&P bestätigte die Ratings für beide Unternehmen. Chinesische Banken versuchen indes, sich von Schuldverschreibungen in Höhe von USD 23 Mrd. zu trennen. Ospraie Management - einer der größten Rohstoff-Hedgefonds - musste nun seinen Hauptfonds schließen. Nach einem Verlust von knapp 40 % seit Jahresbeginn wurde der Fonds mit einem Volumen von knapp USD 3 Mrd. liquidiert. Lehman Brothers hatte sich 2005 mit 20 % an Ospraie beteiligt.

Gemischte Unternehmenszahlen

GM klettert knapp 4 %. Der angeschlagene Autobauer wolle die Präsenz am indischen Markt ab 2009 verdoppeln. Die Absatzzahlen für August waren hingegen ernüchternd: Im Vergleich zum Vorjahr knickten die Verkäufe um 14 % ein, die Produktion wird nun um 22 % zurückgeschraubt. Wal Mart meldete einen konzernweiten Umsatzanstieg um 8,7 %. In den USA stiegen die vergleichbaren Umsätze um 3 % und damit deutlich stärker als prognostiziert. Target, Gap und Abercrombie & Fitch enttäuschten mit schwachen Umsatzzahlen. Stahltitel litten unter einer Sektorabstufung durch Goldman Sachs. United Steels knickt 14,8 % ein. Dell - der weltweit zweitgrößte PC-Hersteller - meldete einen deutlichen Gewinnrückgang. Der Gewinn fiel im Q2 um 17 % auf USD 616 Mio, die Aktie knickt 20 % ein.

US-Markt nach wie vor teuer bewertet

Trotz der herben Kursverluste sind US-Aktien nach wie vor teuer bewertet. Mit einem KGV von knapp 25 und einer Dividendenrendite von 2,5 % befindet sich der S&P 500 am oberen Ende der Bewertungshistorie. Die operativen Gewinne im S&P sanken im 2. Quartal um 29 %, dies bedeutet den 4. Gewinnrückgang in Folge. Bereinigt um Finanztitel stiegen die Gewinne um 3,2 %.  Unternehmen aus dem Energiesektor (25,1 %) verdienten den Löwenanteil im S&P, gefolgt von Industrietiteln (16,3 %) und dem Healthcare-Sektor (16 %). Vor einem Jahr kam ein Großteil
der Gewinne noch aus dem Finanzsektor (28,4 %), gefolgt von Unternehmen aus der Energiebranche (16,4 %).

In der nächsten Handelswoche erwarten wir lediglich Quartalszahlen von Campbell Soup. Makroseitig sollten Zahlen zur US-Handelsbilanz, dem Verkauf bestehender Eingeheime sowie des Produzentenpreisindex für Impulse sorgen. Aufgrund des nun deutlich angeschlagenen Chartbildes rechnen wir mit weiterhin schwachen USMärkten, ein Test der Juli-Tiefststände erscheint  wahrscheinlich.

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