ATX: Neuer Jahrestiefststand

12. September 2008, 15:26
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Ein Kommentar von Christoph Schultes aus dem Equity Weekly der Erste Bank

In der abgelaufenen Woche gab es zwar keine Unternehmensergebnisse, dass es aber deswegen ruhig gewesen wäre, kann man nicht gerade behaupten. Der ATX verlor auf Wochensicht 5,3% und markierte somit einen neuen Jahrestiefstand. Dabei hatte es am Anfang der Woche noch gut ausgesehen. Nach der Rettung der zwei US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac konnten die Börsen am Montag noch zulegen. Die Vorverlegung der Quartalszahlen von Lehman Brothers (Verlust von USD 3,9 Mrd. alleine im 2. Quartal) und die Bekanntgabe des Nichteinstiegs der Korea Development Bank ließen die Aktienkurse jedoch zu Mitte der Woche wieder einbrechen.

Der ATX war davon besonders betroffen. Alleine die zwei Bankaktien verloren innerhalb von drei Tagen mehr als EUR 2,3 Mrd. Marktkapitalisierung. Die schlechte Performance der Energiewerte
verstärkte den Abwärtstrend des österreichischen Leitindex. Die Ölpreise sind zwar weiterhin im Fallen, aber das kann die Märkte momentan nicht beruhigen. Die Inflationsängste sind bekanntermaßen den Rezessionsängsten gewichen, frei nach dem Motto "steigen die Ölpreise ist es schlecht, fallen sie, dann erst recht". Und so konnte die OMV beispielsweise keineswegs von den steigenden Ölpreisen vor einigen Wochen/Monaten profitieren, macht dafür aber - so wie es scheint - die Abwärtsbewegung mit. Die Verlierer der Woche waren trotzdem die Zykliker. Die RHI büßte auf Wochensicht 15,4% ein, Andritz und voestalpine folgten mit -11,3% und -10,5%. Gewinner gab es diesmal keinen.

Forward KGV bei 8,8

Und so halten wir momentan bei einem Forward KGV von 8,8x. Dies bedeutet umgekehrt eine Rendite von fast 11,4%. Bei der aktuellen Rendite der Staatsanleihen von rund 4,2% errechnet sich somit eine Risikoprämie von über 7%, die Investoren momentan verlangen, ein neuer Höchststand also. So gesehen ist der ATX sehr günstig bewertet, fundamental müssen wir daher mit einer Gegenbewegung rechnen. Das Argument, dass die Gewinnprognosen nicht stimmen, kann man allgemein nicht gelten lassen. Natürlich sehen wir bei einigen Zyklikern rückläufige  Gewinnprognosen. Aber die für den ATX so bedeutenden Finanzwerte haben ihre Guidance zuletzt immer wieder bestätigt. Die Risikoprämie von über 7% ist in unseren Augen daher eindeutig überzogen. Ob sich unsere fundamentale Sichtweise aber gegen den aktuellen Pessimismus und die katastrophale Charttechnik durchsetzen kann, ist eine andere Frage. 

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