"Niemand verlangt Perfektion"

30. August 2008, 17:00
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Stolpern ist kein Problem, liegen bleiben ist eines, sagt Peter Baumgartner, Autor von "Manager müssen Mut machen - Mythos Shackleton"

Erfolg an sich sei ganz einfach auf drei Punkte herunterzubrechen, sagt Peter P. Baumgartner. Zufriedene Mitarbeiter, ein gutes Produkt (oder mehrere) und der bestenfalls daraus resultierende - und auf eine längere Zeitspanne gesehen - wirtschaftliche Gewinn. Und alle drei Parameter gründen auf gute Führungsarbeit. Klingt gut - und ist in vielen Fällen zumindest punktuell fernab jeglicher Realität.

Spielarten gebe es reichlich, sagt Baumgartner. Auch bei guter Führungsarbeit können "Missionen" scheitern oder aber - trotz katastrophaler Führungsarbeit - gelingen.
Was aber macht gute Führungsarbeit aus? Aus jedem Blickwinkel und in jedem Jahrzehnt etwas anderes.

Held Sir Ernest Shackleton

Den Antarktis-Forscher Sir Ernest Shackleton, dessen gescheiterte Endurance Expedition (beginnend im Jahr 1914) ihm damals wenig Anerkennung brachte, beschreibt Baumgartner gemeinsam mit Co-Autor Rainer Hornbostel in "Manager müssen Mut machen" (Böhlau Verlag) heute als Helden. Die Mission sei zwar gescheitert, Shackleton konnte aber allen Umständen zum Trotz sein gesamtes Team retten. Seine Wertewelt zählte in diesem Fall mehr als der Erfolg der Expedition - was zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich gewesen sei.

Baumgartner vertritt die Ansicht, dass es in einem „Zeitalter eines seelenlosen Diktats von Sachzwängen" vielen Managern gut anstünde, ihrer Arbeit mehr Seele zu verleihen. Das Wichtigste sei es, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, sagt er. Mit der Seele sei das eine situative Sache: Im Grunde gehe es darum, seine Mitarbeiter zu erreichen - jeder dadurch geschaffene objektive Arbeitszeitverlust "beseele" die Arbeit.

"Vertrauen ins Schicksal"

Um die Herzen der Mitarbeiter zu erreichen, sagt Baumgartner ein wenig kitschig, reichen aber Konzepte nicht aus - dazu gehöre Charisma. Etwa wenn es darum gehe, neue Wege zu beschreiten oder neue Werte zu verkünden, sei regelfremdes Denken - unabhängig von der Meinung anderer Personen - vonnöten. Zu sehr würde heute mit Angst und Druck gearbeitet werden.
Eine gute Führungskraft sei resistent gegenüber Einflüssen und halte einfach auch einmal den Kopf hin, sagt Baumgartner. Charismatisch seien jene, die es verstehen, andere mitzureißen, zu begeistern und dabei authentisch zu bleiben und Wertschätzung zu vermitteln.

Auf der einen Seite sei das Vertrauen in die Führungsarbeit vieler verlorengegangen. Auf der anderen Seite sei bei vielen Führungskräften das Vertrauen in sich selbst, ihre Fähigkeiten und ihr Schicksal abhanden gekommen, sagt Baumgartner. "Vertrauen ins Schicksal hat ein Stück weit mit Ruhe und Gelassenheit zu tun", sagt er. "Denn wer bitte soll denn noch Vertrauen ins Schicksal haben, wenn nicht der, der das Ruder in der Hand hält?", so Baumgartner weiter. Für ihn stehe fest: Vertrauen ins Schicksal komme mit zunehmendem Lebensalter, mit der Erfahrung. "Nichts gegen junge Leute", sagt Baumgartner, "man kann von jungen Leuten sehr viel lernen, und Provokation ist gut, wenn man dabei einen entsprechenden Stil hat."

Perfektion wird nicht erwartet

Vielen Jungen fehle noch die Erfahrung des Scheiterns und des "Trotzdem-Weitermachens". Stolpern und Hinfallen sei kein Problem, liegen bleiben sehr wohl. Fehlschläge anzuerkennen und auch fähig zu sein, neue Wege einzuschlagen, wenn die alten sich als falsch oder überholt erwiesen haben - auch diese Erkenntnisse formen Stile und Persönlichkeiten im Leadership, sagt Baumgartner. "Eine Führungsperson muss nicht perfekt sein; niemand erwartet das." (Heidi Aichinger/DER STANDARD; Printausgabe, 30./31.8.2008)

  • "4-M"-Autor Peter P. Baumgartner.
    foto: standard

    "4-M"-Autor Peter P. Baumgartner.

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