Videoportal Veoh in Copyright-Verfahren freigesprochen

29. August 2008, 14:56
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Gericht: Unternehmen ist für Inhalte von Dritten nicht verantwortlich - Konsequenzen des Urteils für YouTube-Viacom-Klage noch offen

Ein Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien hat den Online-Video-Dienst Veoh vom Vorwurf der Urheberrechtsverletzung freigesprochen. Eine Klage des Erwachsenenfilm-Anbieters Io Group gegen das Portal, auf dem Nutzer ähnlich wie bei YouTube Videobeiträge hochladen können, wurde laut Cnet-Bericht von dem zuständigen Richter Howard Lloyd abgewiesen. Begründet wurde das Urteil damit, dass der Video-Dienst nicht für die von Dritten eingestellten Filme zur Verantwortung gezogen werden kann. Ausschlaggebend für die Entscheidung war aber auch der Umstand, dass Veoh der richterlichen Auffassung nach angemessene Vorsichtsmaßnahmen trifft, um Verstöße gegen das Urheberrecht zu verhindern. So weist die Seite seine Nutzer vor dem Upload von Dateien etwa ausdrücklich darauf hin, dass diese frei von jeglichen rechtlichen Ansprüchen anderer Parteien sein müssen. Wenn ein entsprechender Hinweis erfolgt, wird der Zugang zu illegal eingestellten Videos zudem sofort unterbunden.

Folgen

Copyright-Experten zufolge könnte der aktuelle Rechtsspruch weitreichende Folgen haben. Er sei vor allem für Google von großer Bedeutung, das sich mit YouTube in einer Milliardenklage des US-Medienkonzerns Viacom gegen ganz ähnliche Vorwürfe rechtfertigen muss. "Das Urteil bedeutet nicht unbedingt, dass Google als Sieger aus dem Copyright-Rechtsstreit mit Viacom hervorgeht", entgegnet Mark Litvack, Rechtsexperte im Bereich Urheberrecht und ehemaliger Angestellter der US-amerikanischen Filmbehörde Motion Picture Association, gegenüber Cnet. Die beiden Fälle würden signifikante Unterschiede aufweisen. "Im Gegensatz zu Viacom hat Io vor Einbringung der Klage keinen Kontakt mit Veoh bezüglich der Urheberrechtsverletzungen aufgenommen und auch nicht geprüft, ob die Video-Seite etwas dafür tut, um derartige Verstöße zu vermeiden", so Litvack. Im YouTube-Fall habe Viacom aber auch nach gründlicher Prüfung die Auffassung vertreten, dass Google kaum etwas bis gar nichts dafür tut, um die Rechtsverletzungen auf seiner Video-Plattform zu stoppen.

Betreiber

Der Suchmaschinenbetreiber sieht das naturgemäß anders und verweist darauf, dass sich YouTube an den Digital Millennium Copyright Act von 1998 halte und darüber hinaus mehr mache, um die Copyrights zu schützen, als rechtlich erforderlich wäre. "Urheberrechtlich geschütztes sowie illegales Videomaterial wird von Google umgehend entfernt, sobald dieses entdeckt oder gemeldet wird. Wir haben hierfür bei YouTube ein System installiert, über das derartiges Material sowohl vonseiten der User als auch durch die Rechteinhaber selbst gemeldet werden kann", betont Google-Sprecher Kay Oberbeck auf Anfrage von pressetext. Man müsse sich dabei allerdings auch vor Augen halten, dass aufgrund der enormen Menge an Videomaterial auf dem Portal eine Kontrolle kein einfaches Unterfangen sei. "Wir haben alleine in Deutschland rund acht Mio. registrierte Nutzer, die Inhalte einstellen. Pro Minute werden zehn Stunden neues Videomaterial hochgeladen", schildert Oberbeck. Auch im Veoh-Fall hielt das Gericht eine individuelle Prüfung der neuen Videos aufgrund der Fülle des Materials für nicht machbar. (pte)

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Veoh

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